Mittwoch, 3. Januar 2018

"Du neben mir. Und zwischen uns die ganze Welt" von Nicola Yoon


"Du neben mir" von Nicola Yoon

Verlag: Dressler (2015)
Format: HC, 332 Seiten
ISBN: 978-3-7915-2540-2
Preis: 16,99 € [D] 
Originaltitel: Everything, Everything (2014)
Aus dem Amerikanischen von Simone Wiemken

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Inhalt


Es ist kaum vorstellbar, doch Madeline hat ihr Leben lang nicht das Haus verlassen. Sie hat einen seltenen Immundefekt und ihre Welt ist begrenzt von Wänden, Fenstern und Luftschleusen. Bisher war sie glücklich damit, ihre Mutter und ihre Pflegerin gaben ihr halt. Doch dann ziehen neue Nachbarn ins Haus nebenan und das unvermeidbare geschieht: Madeline verliebt sich in Olly, den Sohn der Familie und ist plötzlich bereit, alles zu riskieren für einen einzigen Augenblick ...

Meine Meinung


Dieses Jugendbuch ist mir aufgrund des wunderschönen Covers aufgefallen, das mich an Kritzeleien in Schulheften erinnerte. Auf den zweiten Blick ist es jedoch viel mehr als das, denn es spiegelt das Gefühlswirrwarr und die Lebenslust wider, die den Roman ausmachen und zeigt auch einige Stationen und Momente der Geschichte - ein wirklich gelungenes Cover.

Madeline hat ihr ganzes Leben im Haus verbracht und konnte nur durch die Fensterscheiben am Leben draußen teilnehmen. Das ist ihr jedoch nicht mehr genug, als sie sich in den Nachbarsjungen Olly verliebt, und das Schicksal nimmt seinen Lauf. Okay, die Romanze kommt schon ein wenig kitschig daher, mit Gefühlen und Taten, die in der Realität wohl eher selten zu beobachten sind. Gleichzeitig ist es wohl aber das, was Jugendliche anspricht und träumen lässt und schließlich konnte ich mich auch auf die Aura jugendlicher Leichtigkeit einlassen und ein paar Jahre zurück in die Vergangenheit reisen.

Die Geschichte selbst ist liebevoll mit Skizzen und Notizen der Protagonistin Madeline illustriert und auch Emails und Chatverläufe sind originalgetreu dargestellt. Die teilweise sehr kurzen Kapitel sind in Ich-Form geschrieben und Momentaufnahmen von Madelines Gefühlen und Gedanken. Das alles macht den Roman besonders lebendig und gleichzeitig schnell zu lesen. Ich hätte mir zwar einerseits manchmal mehr Details gewünscht, andererseits bieten die zwangsläufig entstehenden Leerstellen auch viele Möglichkeiten der eigenen Interpretation.

Mit dem Ende hat Yoon mich überrascht und geschockt. Es kam für mich absolut unvorhersehbar, obwohl ich während des Lesens schon eine Ahnung hatte, wohin sich die Geschichte entwickeln könnte.. Die gesamte Tragweite hätte ich mir jedoch nicht ausmalen können und ich musste noch lange darüber nachdenken.

Du neben mir ist ein sehr schönes und berührendes Jugendbuch über die Liebe und das Leben, das einen die Welt mit anderen Augen sehen lässt. Ich vergebe 4 von 5 Wolken.

Mittwoch, 20. Dezember 2017

"Ein Geschenk zum Verlieben" von Karen Swan



"Ein Geschenk zum Verlieben" von Karen Swan

Verlag: Goldmann (2013)
Format: TB, 541 Seiten
ISBN: 978-3-442-47963-4
Preis: 9,99 € [D] 
Originaltitel: The Perfect Present (2012)
Übersetzt von Gertrud Wittich

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Inhalt


Die Welt der Schmuckdesignerin Laura ist klein und überschaubar. Nach einem Schicksalsschlag sind ihr Freund Jack, ihre beste Freundin Fee und ihr Hund Arthur ihre Familie. Bis an einem Wintertag der attraktive Rob Blake im Atelier auftaucht, mit einem ungewöhnlichen Anliegen: Er möchte seiner Frau eine Kette mit sieben Anhängern schenken, von denen jeder für einen besonderen Menschen stehen soll. Dafür soll Laura die sieben wichtigsten Personen in deren Leben interviewen. Laura willigt ein und lernt ein ganz neues Leben kennen voller Luxus und Extravaganz. Doch bald muss sie erkennen, dass nicht alles so glanzvoll ist, wie es auf den ersten Blick scheint … (Quelle)


Meine Meinung


Ich mag den Schreibstil von Karen Swan. Ihre Romane sind geprägt von komplexen Beziehungsgeflechten, herzergreifenden Geschichten und tiefgreifenden Gefühlen. Oft spielen sie in der Weihnachtszeit oder ist das Weihnachtsfest ein wichtiges Element des Romans. Auch diese Geschichte spielt sich in den letzten Tagen und Wochen vor Heilig Abend ab und ist daher die perfekte Lektüre für die Vorweihnachtszeit.

Lauras Leben scheint perfekt zu sein: die Beziehung zu ihrem Freund Jack scheint gefestigt und das Geschäft mit ihrem Schmuck floriert. Doch da taucht der attraktive und steinreiche Rob auf und beauftragt sie damit, ein Charm-Armband für seine Frau Cat anzufertigen, mit je einem Anhänger für wichtige Personen in ihrem Leben - gegen eine Honorar, das zu hoch ist, als dass Laura ablehnen könnte. Um den Auftrag auszuführen muss Laura Zeit mit besagten Menschen verbringen und die Quintessenz deren Beziehung zu der Beschenkten herausfinden - allerdings so, dass Cat nichts davon erfährt.

Und so taucht Laura in das glamouröse Leben der High Society ein, das ihr anfangs wie ein Traum erscheint. Doch nach und nach offenbaren sich ihr die Schattenseiten, die Geheimnisse, die Intrigen. Gleichzeitig lässt sie sich jedoch auch vom Strom dieses Lebens mitreißen und wird geblendet von Cats scheinbar makelloser Person, sodass sie schließlich nicht mehr weiß, was Wahrheit und was Lüge ist, was Fassade und was Tatsache.

Swan spielt gekonnt mit Sein und Schein und mit dem tiefen Graben, der die Mittelschicht von der Oberschicht trennt. Kaum eine der Figuren ist wirklich so, wie sie vorgibt zu sein, die Freundschaften sind wackelig, die Beziehungen basieren auf Lügen. Das verleiht dem Buch einen ganz besonderen Reiz. Doch es geht nicht nur um die Clique rund um Rob und Cat, es gilt auch das Rätsel um die Protagonistin selbst zu lösen: Was ist mit ihrer Zwillingsschwester geschehen? Warum ist Laura in manchen Situationen ein Mauerblümchen, während sie in anderen auflebt?

Der Einstieg ins Buch ist raffiniert gestaltet, denn Laura kommt erst über einen Umweg an den Auftrag, der ihr Leben verändern wird. Überhaupt verläuft die Geschichte alles andere als geradlinig, was den Inhalt des Romans widerspiegelt, die Irrungen und Wirrungen, die Fehlinterpretationen und Vorurteile. In dieser Hinsicht ist Swan eine Meisterin ihres Fachs, denn das Ende habe ich lange nicht kommen sehen.

Für meinen Geschmack zog sich jedoch das letzte Drittel des Romans etwas in die Länge. Die Geschichte kommt fast zum Stillstand und man dümpelt gemeinsam mit Laura so vor sich hin - bis dann doch endlich der große Tag gekommen ist und Rob seiner Frau ihr Geschenk überreichen kann. Swans Idee hinter diesem Armband ist wirklich raffiniert, denn das so harmlos daherkommende Schmuckstück ist mehr, als es vorgibt zu sein und die einzelnen Anhänger erzählen mehr über Cats engsten Freunde, als man auf den ersten Blick glaubt...

Ihr seht, zwischen den Buchdeckeln verbirgt sich wieder einmal viel mehr, als man denkt. Menschliche Abgründe, Lügen und Intrigen werden aufgedeckt, Liebe blüht auf und verwelkt wieder. Lebendiger kann ein Roman kaum sein. Ich vergebe 4 von 5 Wolken.

Samstag, 16. Dezember 2017

"Im Auge des Leuchtturms" von Antonia Michaelis


"Im Auge des Leuchtturms" von Antonia Michaelis

Verlag: Emons (2015)
Format: TB, 311 Seiten
ISBN: 978-3-95451-675-9
Preis:14,95 € [D] 

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Inhalt


Nada Schwarz ist ständig auf Achse und geht voll in ihrem Beruf auf, um die Geschehnisse der Vergangenheit zu vergessen. Doch dann erhält sie eine mysteriöse Postkarte, die sie zurück auf eine kleine Nordseeinsel ruft. Hier, im Ferienhaus ihrer Eltern, träumt sie immer wieder davon, im Leuchtturm der Insel Ikea-Möbel aufzubauen und mit einem Kind zu telefonieren, das in einem Keller eingesperrt ist und zu ertrinken droht. Was hat das alles zu bedeuten? Und wer hat sie zurück auf die Insel gelockt?


Meine Meinung


Antonia Michaelis ist einer meiner Lieblingsautorinnen und so zögerte ich nicht lange, auch dieses Buch von ihr zu lesen. Es war in Ordnung, ebenso nebulös und mysteriös wie ihre anderen Bücher, dennoch hat es mir nicht ansatzweise so gut gefallen wie die anderen Romane, die ich bereits von ihr gelesen habe.

Das Buch dreht sich um Nada Schwarz, einen Workaholic ohne Zeit für Freunde und private Vergnügen. Eine Postkarte mit einem Leuchtturmmotiv ruft sie eines Tages zurück auf eine kleine Nordseeinsel, wo ihre Eltern ein Haus besitzen. Von Anfang an ist klar, dass in ihrer Kindheit irgendetwas geschehen sein muss, das sie seither von der Insel ferngehalten hat. Ebenso klar ist, dass sie jenes Geschehniss seither verdrängt, unter Arbeit erstickt hat. In Träumen, die sie Nacht für Nacht in den verlassenen Leuchtturm der Insel führen, offenbart sich ihr schließlich Stück für Stück die Vergangenheit.

Nada ist die unsympatischste Protagonistin, die mir seit langem untergekommen ist und die Atmosphäre, die sie bis zum Schluss umgibt, hat mir ein unbehagliches Gefühl bereitet. Psychologisch betrachtet ist der Panzer, den sie um sich gesponnen hat, zwar erklärbar und auch verständlich, das hat für mich jedoch nicht ausgereicht, um irgendwie Zugang zu ihr zu finden. Überhaupt hat sich die düstere Stimmung in diesem Roman auch gegen Ende nicht gehoben - etwas, das ich sehr vermisst habe. In Michaelis' anderen Werken gibt es doch immer irgendwie einen Hoffnungsschimmer oder warme Momente, hier fehlte für mein Empfinden beides.

Wie ich es bei Romanen von Michaelis gewohnt bin, geht es auch in diesem Buch eher langsam voran, zögernd und vorsichtig bewegen sich die Figuren durch die Welt. Hier jedoch hatte ich das Gefühl, dass die textinterne Langsamkeit den Lesefluss bremst, was das Buch für meinen Geschmack zu langatmig werden ließ. Immer wieder der gleiche Traum, in dem wieder dasselbe getan wird, wie zuvor und Hinweise, die für den Leser deutlich sind, der Protagonistin jedoch gar nicht auffallen - ich hätte mir ein wenig mehr Tempo gewünscht.

Auch die Auflösung des Rätsels sowie die Beziehungen der Personen untereinander hat mich nicht wirklich befriedigt. Irgendwie hatte ich mit einem anderen Ausgang gerechnet, obwohl es schon eine sehr tragische Geschichte ist, die Michaelis hier aufrollt. Es ist allerdings keine, die mich noch lange nach dem Weglegen des Buch beschäftigt hat.

Im Auge des Leuchtturms ist als Kriminalroman betitelt und obwohl ich noch nie einen Schwedenkrimi gelesen habe, könnte ich mir vorstellen, dass hier eine ganz ähnliche Stimmung herrscht. Kaltblau und von eisigem Wind umweht - dieses Stimmungsbild fällt mir zu diesem Roman ein. Für mich war das Buch jedoch ein wenig zu eiserstarrt, weshalb ich 2 von 5 Wolken vergebe.

Dienstag, 12. Dezember 2017

"Die Einsamkeit der Primzahlen" von Paolo Giordano


"Die Einsamkeit der Primzahlen" von Paolo Giordano

Verlag: Heyne (2011)
Format: TB, 363 Seiten
ISBN: 978-3-453-40801-2
Preis: 8,99 € [D] 
Originaltitel: La solitudine dei numeri primi (2009)
Aus dem Italienischen von Bruno Genzler

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Inhalt


Ein einziger Tag in ihrer Kindheit entscheidet über ihr Schicksal: An diesem Tag verliert Alice das Vertrauen in ihren Vater und ihre Lebenslust. Mattia hingegen verliert seine Schwester, als er sie nur ein Mal aus den Augen lässt. Jahre später lernen Mattia und Alice einander kennen. Sie scheinen füreinander bestimmt zu sein. Doch das Leben legt ihnen Hindernisse in den Weg. (Quelle)

Meine Meinung


Dieses Buch hatte ich schon öfters in der Hand und auch der Trailer zum Film ist mir nun schon ein paar Mal über den Weg gelaufen. Jetzt endlich habe ich es - innerhalb von nur wenigen Stunden - gelesen und muss sagen: die viele gute Kritik ist gerechtfertigt.

Alice und Mattia - zwei Menschen, deren Leben von nur einem schicksalhaften Tag in der Kindheit geprägt wurde, und die aufgrunddessen stets von einer scheinbar unüberwindbaren Kluft getrennt sind. So wie Primzahlen, die immer mindestens eine weitere Zahl zwischen sich haben und niemals nebeneinander stehen. Dieser Vergleich, den Giordano mittels der Gedanken des Mathegenies Mattia zieht, hat mich sehr berührt und ist mehr als treffend für die Beziehung der beiden tragischen Protagonisten.

Die Geschichte beginnt 1983 beziehungsweise 1984 mit den Ereignissen, die aus Alice und Mattia die Menschen machten, die sie letzendlich geworden sind. Von da an beleuchtet Giordano Momente in den Jahren 1991, 1995, 1998, 2003 und 2007, insgesamt also über 25 Jahre, in denen sich die Protagonisten mal näher sind, mal Meilen von einander entfernt sind, während sie gleichzeitig versuchen, ihre Vergangenheit zu bewältigen und im Leben Fuß zu fassen.

Mit schnörkelloser und scheinbar schlichter Sprache taucht Giordano in die Psyche seiner Figuren ein und offenbart dadurch sein unbestreitbares schriftstellerisches Talent. Er zeichnet die Protagonisten schnell und zielgerichtet, während deren Entwicklung subtiler und kaum merklich vonstatten geht.  Er zeigt auf, wie unterschiedlich Menschen mit Schicksalsschlägen umgehen und dass es keine Seltenheit ist, Erlebtes mithilfe von gegen sich selbst gerichteter Gewalt zu verarbeiten - sichtbar oder nicht. Außerdem wird dem Leser schmerzlich bewusst, welchen großen Einfluss die Kindheit auf das ganze Leben hat und wie sehr uns der Ballast, den wir mit uns herum schleppen, von anderen Menschen entfernen kann.  

Trotz der eher düsteren und hoffnungslosen Grundstimmung entwickelt der Roman einen Sog, dem auch ich mich nicht entziehen konnte. Ich wollte unbedingt wissen, ob Alice und Mattia aller Widrigkeiten zum Trotz zusammen finden und ob sie es schaffen, sich von ihrer Vergangenheit zu lösen und im Leben Fuß zu fassen. Ein Happy End, eine Differenzierung von schwarz und weiß, gut und schlecht würde nicht zu so einem Roman passen, das könnt ihr euch sicherlich schon denken. Dennoch ist Giordano ein Ende gelungen, das mich mit einem Lächeln auf den Lippen zurück ließ.

Ich vergebe 5 von 5 Wolken.

Montag, 27. November 2017

"Die Australierin" von Ulrike Renk


"Die Australierin" von Ulrike Renk

Verlag: atb (2016)
Format: TB, 539 Seiten
ISBN: 978-3-7466-3002-1
Preis: 12,99 € [D] 

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Inhalt


Die junge Hamburgerin Emilia wächst bei ihrer wohlhabenden Tante und ihrem Onkel auf, die große Pläne mit ihr haben. Doch Emilia schenkt ihr Herz einem mittellosen Kapitän - eine Verbindung, der ihre Familie natürlich nicht zustimmt. Nach Jahren der Trennung macht Emilia dann den großen Schritt: Sie heiratet ihren Geliebten und geht mit ihm auf große Fahrt. Eine jahrelange Reise beginnt, die sie schließlich nach Australien führen wird...


Meine Meinung


Wer diesen Blog schon eine Weile verfolgt, der weiß, dass ich selbst vor einigen Jahren ein paar Monate in Australien verbracht habe. Deshalb habe ich auch gleich zugeschlagen, als ich dieses Buch in der Bücherei sah. Renk erzählt darin von der Hamburgerin Emilia, die im 19. Jahrhundert gegen den Wunsch ihrer Familie einen Kapitän heiratet und mit ihm um die Welt reist, bevor die beiden sich in Sydney niederlassen. Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit und ich hatte gehofft, über diese Erzähung ein bisschen etwas über Australien und das Leben dort zur damaligen Zeit zu erfahren. Leider wurde ich schwer enttäuscht.

Von Anfang an hatte ich Mühe, mich in die Geschichte einzufinden. Seitenlang werden Geschehnisse bis ins Detail beschrieben, die auch in wenigen Sätzen hätten abgehandelt werden können und die ich noch dazu ziemlich irrelevant fand. Gut, um die Auswanderung Emilias nach Australien nachvollziehen zu können, muss man natürlich auch etwas über ihre Kindheit und Jugend erfahren, und die Beschreibungen des städtischen und ländlichen Lebens im Hamburg der damaligen Zeit waren auch recht interessant. Doch Seite um Seite, Kapitel um Kapitel wartete ich vergebens darauf, dass die große Reise losgehen würde. Dann endlich gehen Emilia und Carl an Bord - doch sie fahren zunächst überall hin, nur nicht nach Australien.

Tatsächlich fällt das Wort 'Australien' erst nach über der Hälfte des Buches, die eigentliche Auswanderung beginnt sogar erst im letzten Drittel des Romans. In Sydney angekommen schien es mir, als würden die Ausführungen immer knapper, fast so, als hätte die Autorin keine Lust mehr gehabt. Ganze Jahre werden übersprungen, es heißt nur "Tocher XY kam auf die Welt, zwei Jahre später folgte Tochter YZ", und kurz vor Ende wechselt sogar die Protagonistin und Renk nimmt von nun an die Töchter von Emilia in den Blickpunkt. Über Australien selbst erfährt man so gut wie nichts, nur Sydney wird ein klein wenig beschrieben und bei Ausflügen in die Umgebung fallen ein oder zwei weitere Ortsnamen.

Ein besserer Titel für diesen ersten Band einer Reihe wäre vielleicht "Die Frau des Kapitäns" oder etwas in der Art gewesen, denn diese Thematik ist es eigentlich, die den Roman dominiert. Hier hat Renk meiner Meinung nach auch gute Arbeit geleistet, denn die Beschreibungen der Abläufe an Bord und auch die Schwierigkeiten, mit denen sich Kapitänsfrauen (von denen es wohl mehr gab, als ich gedacht hatte) herumschlagen mussten, erschienen mir gut recherchiert. Dennoch hatte ich ständig das Gefühl, Renk hätte zu sehr romantisiert, denn Emilia ist immer sofort der Liebling der Crew und wo sie an Bord geht herrscht plötzlich reinste Harmonie, was mir ziemlich gegen den Strich ging.

Die Australierin ist kein schlechtes Buch, ich habe aber etwas anderes erwartet und war dementsprechend enttäuscht. Vielleicht rücken die Folgebände den fünften Kontinent etwas mehr in den Mittelpunkt, doch ich glaube nicht, dass ich diese lesen werde. Im zweiten Teil Die australischen Schwestern geht es um Wilhelmine, eine Tochter Emilias, deren Schicksal schon im ersten Band angerissen wurde und in diesem Buch wohl nur vertieft wird, und im drittel Teil Das Versprechen der australischen Schwestern wird die Geschichte der Folgegeneration erzählt. Hier fällt der Blick auch wieder auf Deutschland. Insgesamt umfasst die Trilogie fast ein Jahrhundert.

Für Freunde von historischen Romanen mit leicht kitschigem Unterton ist das Buch sicherlich kein totaler Fehlgriff. Wer von Australien und dem Leben dort lesen will, sollte zu anderen Roman greifen. Ich vergebe 2 von 5 Wolken.