Sonntag, 3. Juni 2012

"Hinter dem Horizont links" von Christopher Many

""Das ist's ...", rufe ich hinter dem von Spinnweben überzogenen Lenkrad. "Ich kauf ihn." Mitten in den schottischen Highlands, in der Nähe des malerischen Dorfes Fort William, steht ein vernachlässigter Land Rover. Das Morgenlicht an einem der seltenen regenlosen Tage kann nicht viel zur Verbesserung seines Aussehens beitragen." 


"Hinter dem Horizont links" von Christopher Many

Verlag: Delius Klasing (2012)
Format: TB, 310 Seiten inkl. Vorbemerkung und Anhang + mehrere Seiten farbige Bilder
ISBN: 978-3-7688-3348-6
Preis: 18,00 €

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Inhalt


Christopher Mani reist acht Jahre lang mit seinem Land Rover "Matilda" um die Welt. Was er erlebt hat, hat er in diesem Buch niedergeschrieben.


Meine Meinung


Reiseberichte von Deutschen lese ich besonders gerne. Da habe ich irgendwie ein stärkeres Verbundenheitsgefühl, so nach dem Motto: "Das könnte ich sein." Vermutlich liegt das daran, das die Bewohner verschiedener Länder auch immer unterschiedliche Blickwinkel haben, auf unterschiedliche Dinge wertlegen, unterschiedliche Dinge beachten. Und wenn ein reisender Amerikaner Erfahrungen aus seiner Heimat mit denen im Ausland vergleicht, kann ich damit meist nicht sehr viel anfangen.

Das wars aber eigentlich schon mit der Sympathie. Persönlich würde ich mit Christopher Many wohl nicht besonders gut auskommen. Aber das muss ich ja auch nicht. Ich finde es gut, dass er nicht auf Teufel komm raus Sympathie einheimsen will und offen seine eigene Meinung sagt. Klar, dass diese nicht jeden anspricht.

Aber nun zum Buch an sich: mit seinen ersparten 50.000 € und einem alten Land Rover, genannt Matilda, bricht Many zu einer Reise um die Welt auf. Manchmal ist er in Begleitung, manchmal nicht. Die Reise beginnt in Russland, verläuft über die Mongolei nach Nordamerika, von Südamerika nach Afrika und schließlich wieder zurück nach Deutschland. Acht Jahre ist er unterwegs.

Natürlich kann man acht Jahre nicht mal schnell in ein Buch packen. Trotzdem hatte ich oft das Gefühl, dass die Bruchstücke, die Many erzählt, zu kurz sind. Kaum hat man sich in die Erzählung eingefunden, schon ist man wieder auf der Reise. Vor allem Russland wird nur sehr kurz abgehandelt, aber das hat sicher seine Gründe. Schwerpunkt des Buches ist eindeutig Südamerika sowie Afrika. Many beschreibt die Eigenheiten verschiedener Länder und Kulturen, die meistens in Form der Lebenshaltungskosten in Erscheinung treten. 

Es gibt sechs große Kapitel - Europa und Asien, Nord- und Mittelamerika, Südamerika, Afrika, Die Arabische Liga und Nach Hause - sowie eine Vorbemerkung und einen Anhang. Zweimal findet sich noch eine Ansammlung von bunten Bildern von Manys Reise. Die großen Kapitel beginnen immer mit einem Kasten über Dimensionen und Mathematik, zuerst mit der Definition eines Punktes, dann einer Strecke und zuletzt eines n-dimensionalen Hyperwürfels (oder so). Die Kästen habe ich nie verstanden, was wohl an meinem kaum vorhandenen mathematischen Wissen liegt. 

Die Kapitel sind in viele Unterkapitel gegliedert, die die Einzelnen Länder aufzählen. Dazu gibt es immer ein beschreibendes Substantiv sowie ein Datum. Das ist wahrscheinlich der Tag der Ankunft in dem jeweiligen Land. (z.B. Ruhe (Kanada, 8.7.2003)). Many erzählt gut und oft mit einer großen Portion Ironie. Dabei nimmt er kein Blatt vor den Mund und die Bewohner mancher Region kommen garnicht gut weg. Dennoch ist man nach jedem Kapitel gespannt wie es weitergeht. 

Weil ich in der Politik Afrikas nicht so bewandert bin, hatte ich dort leider Schwierigkeiten zu folgen. Es tauchen viele Namen auf, die die schwarze Bevölkerung des Kontinents in verschiedene Gruppen unterteilt, so dass ich irgendwann den Überblick verloren habe. Doch nach der Lektüre des Buches habe ich jetzt eine kleine - wenn auch subjektive - Übersicht über die politischen Zustände Afrikas bekommen. Aufgefallen ist mir auch, wie negativ die Folgen des Tourismus dort zu sein scheinen und dass die Mentalität der meisten Afrikaner nicht dazu beiträgt, die schwierigen Zustände dort zu verändern. Ich denke aber, man muss vorsichtig mit den Informationen umgehen und sie als das ansehen, was sie sind: ein persönlicher Erfahrungsbericht.

Insgesamt vergebe ich 3 von 5 Wolken.

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