Dienstag, 5. Juni 2012

"Veronika beschließt zu sterben" von Paulo Coelho


"Veronika beschließt zu sterben" von Paulo Coelho

Verlag: Diogenes (2002)
Format: HC, 224 Seiten
ISBN: 3 257 23305 1
Preis: 9,90 € [D]
Originaltitel: "Veronika Decide Morrer" (1998)

☁ ☁ ☁


Inhalt


Nachdem die 24-jährige Veronika versucht hat, sich mit Tabletten das Leben zu nehmen, wird sie in die Anstalt Villete eingewiesen. Dort erfährt sie, dass das Koma ihr Herz so sehr geschädigt hat, dass sie nur noch wenige Tage zu leben hätte. Veronika ist erschüttert - es ist etwas anderes, plötzlich aus dem Leben zu scheiden mit dem Gefühl, alles erledigt zu haben. Jetzt noch am Leben zu bleiben und womöglich doch noch etwas zu finden, wofür es sich zu leben lohnt, war nicht geplant.


Meine Meinung


Meine Freundin ist von diesem Buch begeistert, und als ich es kürzlich in der Bücherei sah, hab ich es kurzerhand ausgeliehen. Ich ging mit gemischten Gefühlen daran, denn ich hatte schon mit "Brida" so meine Schwierigkeiten.

Das Thema ist gut und man wird zum Nachdenken angeregt. Was ist das Leben wert, wenn man nicht seinen Traum lebt? Was geschieht mit der Seele, wenn man nur lebt, um anderen zu gefallen? Auch die Charaktere, um die sich das Buch webt, sind gut durchdacht und von jeder der auftauchenden Personen erfährt man im Laufe der Handlung die Lebensgeschichte und dem Grund, warum sie schließlich in der Anstalt fpr psychisch Kranke, dem Schauplatz des Buches, gelandet sind. Die einzige Person die ich nicht besonders mag, ist der Chefarzt, Dr. Igor. Ob gewollt oder nicht - ich finde ihn ziemlich selbstsüchtig und häufig hatte ich das Gefühl, er redet um den heißen Brei herum, weil er sich gerne reden hört.

Insgesamt wirkt das Buch auf mich aber sehr eingestaubt. Gut, es erschien 1998 und spielt in Slowenien. Trotzdem mutet die Anstalt fast schon mittelalterlich an, man kommt rein wenn man Geld hat (bzw. wenn die Menschen, die einen los werden wollen, Geld haben), alle Nas lang bekommt irgendwer Spritzen und Beruhigungsmittel, ganz zu schweigen von Insulinspritzen und Elektroschocks. Die Erzählung hat bei mir so ein Gefühl der Sonntag-Nachmittags-Melancholie hervorgerufen, die ich als Kind immer hatte, vor allem bei schlechtem Wetter: alles war düster und trostlos und uralt. 

Überzogen fand ich auch den Stellenwert der Sexualität auf dem Weg zur "Heilung", bzw. dem Bewusstsein, dass das Leben schön ist, man aber auch etwas wagen muss, um glücklich zu sein. Ich bin absolut nicht prüde, aber die Vorstellung, dass eine Frau sich vor einem Mann auszieht, der allem Anschein nach psychisch krank ist, in seiner eigenen Welt lebt und nichts um sicher herum mitbekommt, nackt auszieht um zu masturbieren und dabei mehrere Orgasmen hintereinander erlebt, während jederzeit noch eine Frau hineinkommen in den Raum kommen könnte... naja. Sie jedenfalls war danach befreit, und das ist ja die Hauptsache -.-

Sehr gefallen hat mir dagegen die Darstellung des Verrücktseins, vor allem das Beispiel einer Geschichte, in der die Bewohner einer Stadt alle von einem vergifteten Brunnen trinken und anschließend verrückt werden. Als der König wieder Ordnung in die Stadt bringen möchte, halten die Bewohner ihn für verrückt und wollen ihn stürzen. Die Königin schlägt schließlich vor, dass die Königsfamilie selbst auch aus dem Brunnen trinken solle. Gesagt, getan, und der König wurde wieder akzeptiert. Und so lebte das ganze Königreich glücklich und verrückt. Coelho hebt hervor, das Verrücktsein immer relativ ist. Columbus galt als verrückt, ebenso viele andere, die Visionen hatten, und die aus heutiger Sicht Genies waren. Verrücktsein heißt, seinen Traum zu leben und sich nicht in die Vorstellungen anderer pressen zu wollen.

Positiv überrascht hat mich auch der Schluss, der nochmal einiges rausgerissen hat. Ich mag es, wenn mich eine Geschichte am Schluss noch zu überraschen weiß, meistens wird ja schon auf das Ende hingeleitet. Insgesamt vergebe ich 3 von 5 Wolken.

Kommentare:

  1. Hallo :)

    ich habe den Film dazu gesehen, richtig traurig aber auch voll schön.
    Und danke für deinen Besuch auf meinem Blog :) finde deinen ebenfalls schön. Bin Leserin geworden ^^

    Liebe Grüße,

    BlackCherry

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  2. das buch habe ich auch gelesen - und fand' es einfach genial. den film kenne ich aber leider nicht. muss ich mir unbedingt mal besorgen.

    liebe grüße zu dir,
    sarah maria

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Danke für deinen Kommentar! Schau doch bald wieder rein, dann habe ich geantwortet :)