Freitag, 16. November 2012

"Der Goldene Kompass" von Philip Pullman

"An die Wand gedrückt und von der Küche aus nicht zu sehen, schlichen Lyra und ihr Daemon duch den dämmrigen Speisesaal. Die drei großen Tische, die die ganze Länge des Saales einnahmen, waren bereits gedeckt, die langen Bänke für die Gäste aufgestellt, und Tafelsilber und Gläser funkelten im letzten Tageslicht. Hoch oben an den Wänden hingen die Porträts früherer Rektoren. Am Saalende angekommen, blickte Lyra zur offenen Küchentür zurück, und als sie dort niemanden sah, stieg sie zu dem Tisch auf dem Podium hinauf."

Zu meiner Ausgabe:

Verlag: Carlsen (Oktober 2007)
Format: TB, 444 Seiten + "Laternbilder"
ISBN:978-3-551-35720-5
Preis: 8,95 € [D] (bzw. 19,95 € Schuber)
Originaltitel: "His Dark Materials 1: Northern Lights" (1995)
Teil 1 einer Trilogie

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Inhalt:

Die junge Lyra wächst gut behütet im Jordan College auf, bis plötzlich Kinder aus der Gegend verschwinden und Lyra in Machenschaften hineingezogen wird, für die sie schon ihr Leben lang bestimmt ist. Sie reist in den Norden, lernt Gypter und Panzerbären, Hexen und einen Aeronauten kennen und erfährt, was die Wissenschaftler mit den entführten Kindern anstellen und was für düstere Pläne ihr Onkel Lord Asriel hat. Und dann ist da noch das Alethiometer, eine Arte goldener Kompass, der jede Frage beantwortet und den sie, zur Verwunderung aller, lesen kann.

Meine Meinung:

Ich habe das Buch schon vor einen ganzen Weile einmal gelesen, doch damals hat mir wohl die Motivation gefehlt, mich auch noch Teil 2 und 3 zu widmen. Das möchte ich jetzt nachholen, und um wieder in die Geschichte reinzukommen, habe ich mir diesen Band noch einmal vorgenommen.

Mit diesem Buch ist Pullman etwas absolut Einzigartiges gelungen; er hat eine völlig neue Welt erschaffen mit einer Geschichte, von der man einfach mitgerissen wird. Die Idee, dass die Menschen in dieser Welt ihre Seelen in Form von Daemonen immer um sich haben (Tiere, die im Kindesalter noch ihre Gestalt wechseln können, sich später aber auf eine festlegen), ist phänomenal. Und dann die verrückten Wissenschaftler, die meinen, die Welt von schädlichen Einflüssen aus der Atmosphäre, so genanntem Staub, schützen zu müssen, dabei aber zu zweifelhaften und grauenvollen Methoden greifen... Absolut fesselnd.

Die Kulissen und die Charaktere sind realistisch gezeichnet und vor allem Lyra werden kindliche Züge erlaubt, was ich bei heutiger Fantasy oft vermisse - die Charaktere, und meistens die Hauptpersonen, sind zu perfekt als dass man sie für voll nehmen könnte. Andere Charaktere entwickeln sich in diesem Buch von scheinbar perfekt und unnahbar zu zweifelhaft und unzurechnungsfähig, was die Geschichte spannend und unvorhersehbar macht.

Konzentriert ist das Buch auf den kalten verschneiten Norden, weshalb es für mich ein absolutes Winterbuch ist. Mit einer Decke und Tee lässt es sich gut in die Geschichte eintauchen. Ich muss aber zugeben, dass ich mit dem Ende ein paar Schwierigkeiten hatte, die letzten Seiten haben sich ein wenig hingezogen. Kann aber auch an mir gelegen haben. Die Wendung am Schluss ist unerwartet und höchst dramatisch und hinterlässt irgendwie eine drückende Stimmung. Anfangs hielt ich das Buch für ein Kinder-/ Jugendbuch, doch jetzt bin ich der Meinung, dass es eher für älteres Publikum gemacht ist, für junge Erwachsene und Ältere. Daher finde ich die Aufmachung meiner Bücher nicht so geeignet, sie suggerieren irgendwie eine leichtere Lektüre, als sie sich wirklich dahinter verbirgt.

"Der Goldene Kompass" ist der erste Teil einer Trilogie mit den Folgebänden "Das Magische Messer" und "Das Bernsteinteleskop". Überspannt werden verschiedene Welten: "Der erste Band spielt in einer Welt, die der unseren sehr ähnlich und doch ganz anders ist. Der zweite Band spielt in einer Welt, die wir kennen. Der dritte Band bewegt sich zwischen diesen Welten." Ich befinde mich gerade mitten im zweiten Teil und bin gespannt, was die Geschichte noch für mich bereit hält.

Ich vergebe 5 von 5 Wolken für Band 1.


Hier findet ihr die anderen beiden Rezensionen:

Band 2: Das Magische Messer
Band 3: Das Bernstein-Teleskop

Der Film 

Ich mag die Verfilmung des Romans sehr gerne, obwohl sich die Meinungen darüber wie so oft spalten. Ich persönlich finde, dass man die Romanvorlage sehr gut verfolgt und umgesetzt hat. Die Charaktere sind vortrefflich besetzt, kleine Abweichungen was Haarfarben oder ähnliches angeht, finde ich nicht störend.

Die Kulissen sind wundervoll und die Daemonen, vor allem natürlich Pan, in den ich mich verliebt habe, sind sehr schön gemacht. Ich finde es schade, dass die Verfilmung der anderen Bände nicht in Sicht ist, hoffe aber, dass das noch kommt! Natürlich reicht der Film wie so oft nicht an die Vielschichtigkeit des Romans heran, er ist aber trotzdem sehr gelungen.

1 Kommentar:

  1. Ich liebe die Bücher!! Schöne Rezension =D

    Liebe Grüße,
    Clara-J

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Danke für deinen Kommentar! Schau doch bald wieder rein, dann habe ich geantwortet :)