Donnerstag, 1. November 2012

"Evies Garten" von K. L. Going

""Vor langer, langer Zeit gab es einen wunderschönen Garten." "So wie unser Garten?" "Fast wie unserer, aber noch viel größer." "Gab es auch Bäume? Wie die, die Vater gepflanzt hat? Oder nur Obst und Gemüse?" "In dem Garten wuchsen alle möglichen Bäume. Es gab Ahornbäume und Eichen. Feigenbäume und Olivenbäume. Orangenbäume und..." "Apfelbäume!" "Ja, auch Apfelbäume.""



"Evies Garten" von K. L. Going

Verlag: Baumhaus (Mai 2012)
Format: HC, 204 Seiten
ISBN: 978-3-8339-0135-5
Preis: 12,99 € [D] 
Originaltitel: "The Garden of Eve" (2007)

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Inhalt


Nach dem Tod ihrer Mutter zieht die 11-jährige Evie mit ihrem Vater auf eine alte Farm mit einem großen Garten voller Apfelbäume, die wie tot aussehen. Evies Vater ist sicher, sie wieder zum Blühen bringen zu können, doch Evie will nichts davon wissen. Sie will nur ihre Mutter zurück, die eine blühende Phantasie besaß und ihr immer zauberhafte Geschichten erzählt hatte. Doch dann begegnet sie Alex, einem Jungen, der behauptet, ein Geist zu sein. Als sie mit ihm ein geheimnisvolles Samenkorn einpflanzt, das der vormalige Besitzer der Farm ihr hat zukommen lassen, betreten die beiden eine andere Welt. Wird Evie dort ihre Mutter wiederfinden?

Meine Meinung


Dieses Buch wanderte vor allem aufgrund seines wunderschönen Covers in mein Regal: Ein hölzernes Bett vor einem großen Vollmond und inmitten von Pflanzen, Bücherstapel auf dem Boden, Laternen an den Ästen und ein schön gemusterter, geschwungener Regenschirm. Eine Einladung zum Träumen!

Auch die Geschichte hat mich angesprochen und ich finde sie auch sehr gut umgesetzt. Die Gratwanderung zwischen Realität und Fiktion ist der Autorin gut gelungen, es gibt äußerst mysteriöse Elemente und das ein oder andere absolut unerwartete Überaschungsmoment, was der Geschichte Schwung verleiht.

Die Charaktere sind alle realistisch gezeichnet und man kann sich voll in sie hineinversetzen: Evie, die sich verzweifelt ihre Mutter zurückwünscht, ihr Vater, der sich in Arbeit stürzt, um sich abzulenken und weil er nicht weiß, wie er seine verstorbene Frau mit ihrer blühenden Phantasie ersezten soll. Evies Stimmung spiegelt sich in der düsteren Umgebung und den toten Apfelbäumen wider und nur langsam kommen wieder Farbe und Lebendigkeit in ihr Leben. Die alte Maggie mit ihren Geschichten über die geheimnisvollen Umstände des Verschwindens ihrer Schwester kommen genau richtig, wecken Evies Interesse und holen sie ins Leben zurück.

Ich habe das Buch gerne gelesen und halte es für eine schöne Geschichte für Jung und Alt. Es zeigt, dass es, selbst wenn alle hoffnongslos scheint, immer noch Menschen gibt, die einen lieben und dass man schwere Zeiten gemeinsam überstehen kann. Obwohl es vor allem gegen Ende äußerst spannende Passagen gibt, hatte die Geschichte jedoch auch manchmal Längen. Außerdem hat es mich ein wenig genervt, dass Evies Vater immer nur als "Vater" auftritt: "sagte Vater", "Vaters Hände umklammerten das Steuer". Weil die Geschichte nicht in der Ich-Perspektive erzählt wird, klang das in meinen Ohren sehr eingestaubt.

Und dann ist da noch der, ich nenne ihn jetzt mal, "geheime Garten", der auf mich eine andere Wirkung hatte, als es wahrscheinlich von der Autorin beabsichtigt ist. Ich fand ihn eher gruselig, so menschenleer und voller Blumen, und ich habe mich gefragt, wer diesen Ort denn der realen Welt vorziehen wollte. Aber vielleicht wirkt es auf andere Leser ganz anders, es ist nur mein persönlicher Eindruck. Vielleicht sehe ich auch wegen meinem Interesse an Endzeit-Romanen in jedem menschenleeren Ort gleich die Apokalypse :D

Ich möchte 4 von 5 Wolken für dieses Buch vergeben.

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