Donnerstag, 13. Dezember 2012

"Die Vermessung der Welt" von Daniel Kehlmann

"Im September 1828 verließ der größte Mathematiker des Landes zum erstenmal seit Jahren seine Heimatstadt, um am Deutschen Naturforscherkongreß in Berlin teilzunehmen. Selbstverständlich wollte er nicht dorthin. Monatelang hatte er sich geweigert, aber Alexander von Humboldt war hartnäckig geblieben, bis er in einem schwachen Moment und in der Hoffnung, der Tag köme nie, zugesagt hatte."

Zu meiner Ausgabe:

Verlag: Rowohlt (26. Auflage 2012)
Format: TB, 302 Seiten
ISBN:978-3-499-24100-0
Preis: 9,99 € [D] 
Originaltitel: "Die Vermessung der Welt" (2005)

☁ ☁ ☁

Inhalt:

Carl Friedrich Gauß und Alexander von Humboldt - zwei Genies des 18. und 19. Jahrhunderts - werden auf ihren verschiedenen Lebenswegen begleitet. Dem einen folgt man in die Welt der Zahlen und der Sterne, dem anderen in die Höhen und Tiefen unserer Erde und schließlich ist man dabei, wenn sich die Wege der beiden treffen.

Meine Meinung:

Das Buch hatte mich nach dem ersten Reinlesen sofort angesprochen. Der ständige unterschwellige Humor sowie die äußerst ungewöhnliche Indirekte Rede wirkten sehr erfrischend. Doch leider verlor das Buch seinen Reiz in der Mitte, bevor es am Ende zum Glück wieder ein wenig bergauf ging.

Das Buch wurde uns von unserem Geopgraphie-Professor empfohlen, weil Alexander von Humboldt Geograph ist und um die Erde reist um sie zu vermessen und um den damals herrschenden Neptunismus zu widerlegen. Nach diesem ist das Erdinnere nämlich hart und kalt, Vulkanausbrüche kämen nur durch im Berg brennende Kohlevorkommen zustande. Geographisch hat das Werk also meine Erwartungen erfüllt. Was ich nicht wusste, und was mich gefreut hat, ist, dass sich auch zu anderen Bereichen meines Studiums Verbindungen aufgetan haben. Gauß zum Beispiel mit seiner glockenförmigen Normalverteilung oder der Bruder von Alexander von Humboldt, Wilhem, ein wichtiger deutscher Erziehungstheoretiker. Leider kommt dieser nur am Rande vor.

Eine besondere Eigenschaft des Romans ist die durchgehende Indirekte Rede im Konjunktiv I. Ich kenne kein Buch, in dem ebenso vorgegangen wird. Man braucht vielleicht ein bisschen Zeit, bis man sich in darin zurechtgefunden hat, dann erkennt man die Technik jedoch als wahre Bereicherung des Buches. Ich glaube nicht, dass der Humor mit der üblichen Direkten Rede auch so hervorgetreten wäre. Überhaupt ist der trockene Humor, der den ganzen Roman durchzieht, einfach göttlich. Viele Situation werden gerade durch ihre Nüchternheit lustig und ich musste oft lachen:

"Abends aßen sie beim Gouverneur, danach wurde gebadet. Stühle wurden ins Flußwasser gestellt, in leichter Kleidung setzte man sich in die Strömung. Hin und wieder schwammen kleine Krokodile vorbei. Einmal biß ein Fisch dem Neffen des Vizekönigs drei Zehen ab." (S. 69)

Mir persönlich hat nicht so gut gefallen, dass mit dem Roman eine große Zeitspanne beschrieben wird, Zeitsprünge aber nicht gekennzeichnet sind. Die Kapitel über Gauß und Humboldt wechseln sich ab und oft liegen zwischen zwei Kapiteln über den Einen mehrere Jahre. Erst durch den Kontext bekommt man eine vage Vorstellung davon, wie viel Zeit vergangen ist, genauere Angaben hätten meiner Meinung nach aber nicht geschadet. Selbst wenn es nur "einige Jahre später" wäre.

Ich frage mich, ob das Buch biographisch angelegt ist, ob die äußeren Gegebenheiten sowie die Beziehung zwischen Gauß und Humboldt dieser Art waren. Wenn ja, dann wundere ich mich sehr über einiges, zum Beispiel die Beziehung der Brüder Humboldt zueinander, die vor allem in jungen Jahren etwas seltsam scheint. So lockt zum Beispiel der Ältere den Jüngeren aufs Eis, behauptet, es sei fest, um ihn dann einbrechen zu sehen.

Die politischen Situationen in Deutschland und den anderen Ländern, die von Humboldt bereist werden, scheinen hingegen gut recherchiert zu sein. In dieser Hinsicht gefällt mir die Figur des Eugen sehr gut, Gauß' Sohn, der unwillentlich in eine politisch kritische Situation gerät und schließlich aus Deutschland verbannt wird. Mit ihm schließt das Buch auch ab, wodurch sich eine Art hoffnungsvolles offenes Ende gestaltet.

Mit der Lektüre bekommt man einen guten Einblick in die Zeit des 18. und 19. Jahrhunderts. Man erlebt die ersten Heißluftballonfahrten, die Entwicklung der Gestirnsbeobachtung und Landvermessung, erfährt von Techniken wie dem Messen des Blaus des Himmels und den Anfängen der Fotografie.  Und obwohl auf Mathematik, Physik und Geographie die Schwerpunkte liegen, kommt man als Laie recht gut mit. Das Buch liest sich relativ flüssig, aber wie schon gesagt empfand ich es in der Mitte als ziemlich zäh. Ich möchte 3 von 5 Wolken vergeben.

Kommentare:

  1. Liebsten Dank! =) Ich bin auch ganz verzaubert von der Farbe. Ich sollte nicht so oberflächlich sein, immerhin kommts ja darauf an was sie kann, aber verdammt dieses Rot ist soooo schön ^___^
    Oh ich kanns dir wirklich wärmstens ans Herz legen. Das Spiel ist einfach…wie ein Stückchen Alice-im-Wunderland-Himmel + Steampunk + Teetassenwahnsinn. Und es ist definitiv einfacher zu spielen als der erste Teil. xD In jede Welt trägt sie ein anderes Kleid und natürlich ist die Grinsekatze mit dabei.
    In der Tat =) Ich fand es sehr passend, da ich eigentlich ein ziemlich schüchtern Mensch bin und meine Einträge einen kleiner Einblick in mein ‚Schneckenhaus‘ schaffen.

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  2. das lese ich auch grade ♡

    Lieben Gruß

    Sarah
    www.sanzibell.com

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Danke für deinen Kommentar! Schau doch bald wieder rein, dann habe ich geantwortet :)