Samstag, 23. Februar 2013

"Angélique und der König" von Anne Golon

"Angélique fand keinen Schlaf, der Gedanke an die frohen Aussichten ließ sie nicht los, und sie kam sich vor wie ein kleines Mädchen am Abend vor dem Weihnachtstag. Zum zweitenmal richtete sie sich auf und schlug Feuer, um die Kerze anzuzünden und die beiden neben ihrem Bett auf Sesseln ausgebreiteten Kleider zu betrachten, die sie morgen für die Jagd des Königs und den darauffolgenden Ball anziehen wollte."

"Angélique und der König" von Anne Golon

Verlag: Rowohlt (Dezember 1975)
Format: TB, 410 Seiten
ISBN: 3 499 11904 8
Originaltitel: "Angélique et le Roy" (1959)

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Inhalt:

Angélique ist es durch eine erneute Heirat endlich gelungen, sich wieder einen Platz bei Hofe zu sichern. Doch sie sieht sich auch einer neuen Herausforderung gegenüber: sie will die Liebe ihres Mannes gewinnen. Gleichzeitig spürt sie das wachsende Interesse des Königs an ihrer Person was den Zorn und die Eifersucht einiger Höflinge schürt und sie schließlich in Lebensgefahr bringt.

Meine Meinung:

Dieser Band der Angélique-Reihe knüpft nahtlos an den vorangegangenen an und führt den Leser nach Versailles. Die Protagonistin hat es zwar geschafft, wieder aus dem Schmutz zu steigen, doch bei Hofe sieht sie sich neuen Gefahren ausgesetzt und neue Aufgaben warten auf sie.

Das Buch hat mir noch besser gefallen als die ersten beiden Bände, denn die dort bemängelten Längen fielen hier fast ganz weg. Ich habe mich in den Schreibstil und die Eigenarten der Epoche eingefunden und kann langsam Namen zuordnen, auch wenn es immer noch unglaublich viele sind. Auch berührt dieser Band emotional noch mehr, als es der erste schon tat. Das ständige Machtspiel zwischen Angélique und Philippe ist sehr spannend und die innere Wandlung, die Philippe durchmacht ist äußerst realistisch dargestellt ohne kitschig zu wirken. Ich wurde mitgerissen und war in der Mitte des Buches sogar einmal so aufgewühlt, dass ich danach nicht einschlafen konnte. Ich war so wütend auf das Schicksal! So ging es mir schon lange nicht bei einem Buch, obwohl ich doch recht emotional bin, es will also etwas heißen.

Auch besticht das Buch wieder durch ein gut recherchiertes Bild der historischen Begebenheiten. Das Themengebiet wird in diesem Band um das der Wirtschaft und der Diplomatie erweitert, die außenpolitischen Situationen rücken ins Blickfeld. Man bekommt eine Ahnung von dem Balanceakt, den Herrscher der damaligen Zeit bewältigen mussten und den vielen wichtigen Ämtern die nötig waren, um das Gleichgewicht zu halten. Auch das Leben am Hofe wird genauer beleuchtet. Erschrocken haben mich in dieser Hinsicht die Anspielungen auf sexuelle Handlungen mit Kindern bei Hofe, 10- bis 14-jährigen Jungen, wie sie damals scheinbar üblich waren. Männer und Frauen vergriffen sich an den Kindern und es wurde von allen hingenommen. Auch hatte ich nicht erwartet, dass offen gelebte Homosexualität bei Hofe akzeptiert wurde. Starke Beachtung finden in diesem Band auch Morde, vor allem Giftmorde, vor denen keiner bei Hofe sicher war. Man besorgte sich Gift, bestach einen Diener und schon war es um das Opfer geschehen ohne dass ein Hahn danach krähte.

Natürlich zählt die Angélique-Reihe zur Unterhaltunsliteratur, die sich Freiheiten im historischen Kontext nehmen darf. Dennoch glaube ich, wie auch schon in meiner Rezension zum ersten Band erwähnt, dass es damals wirklich so zuging in der Gesellschaft um Monarchen und deren Hof. Ich beneide sie nicht, die Damen und Herren der Hofgesellschaft, denn es ging ständig um Gnade und Ungnade, um Leben und Tod.

Ich stimme nicht immer mit Angéliques Verhalten überein und oft konnte ich ihre Handlungen nicht nachvollziehen. Dennoch handelt es sich um einen ausdrucksstarken Charakter, dessen Leben einen berührt und mitreißt. Ich gebe diesem Band verdiente 5 von 5 Wolken.

Die Übersicht des Angélique-Projekts gibt's hier, die Rezension zum ersten bzw. den ersten beiden Bänden findet ihr hier.

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