Freitag, 3. Mai 2013

"Angélique und Joffrey" von Anne Golon

""Also bin ich bei ihm!" Unablässig umflatterte dieser Gedanke Angélique. Sie hätte nicht zu sagen vermocht, ob es eine Überlegung ihres Verstandes war - denn sie fühlte sich in diesem Augenblick völlig unfähig, Überlegungen anzustellen - oder etwas, was sie äußerlich bedrängte, ähnlich dem summenden Flug der Mücken und Fliegen. Es kam, verschwand, kehrte beharrlich wieder und flatterte von neuem davon."


"Angélique und Joffrey" von Anne Golon

Verlag: Rowohlt (1977)
Format: TB, 472 Seiten
ISBN: 3 499 14041 1
Originaltitel: "Angélique et le Nouveau Monde" (1967)

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Inhalt


Angélique und eine kleine Gruppe von vertrauten brechen in die Wildnis der neuen Welt auf, um sich in einem Fort niederzulassen. Als eine Intrige sie zwingt, dieses in Brand zu setzen, bleibt ihnen nichts anderes übrig als weiterzuziehen und in einer Mine zu überwintern. Doch trotz der vielen baulichen Maßnahmen, der zusammengeschweißten Gemeinschaft und den Essensvorräten fordert der Winter seinen Tribut.

Meine Meinung


Puhhh... Ich kann nicht mehr. Dieser Band war bisher der härteste und zugleich der, der mir am wenigsten gefallen hat. Rückblickend kann man die Geschehnisse in wenigen Punkten zusammenfassen, doch Golon füllt alles so mit Nebensächlichkeiten aus, dass das Lesen zu einem wahren Kraftakt wird.

Abgesehen von der immer tollen und allseits beliebten Angélique, die mich immer mehr zu nerven beginnt, habe ich mich in diesem Band sehr über die darstellung der Eingeborenen geärgert, welche den Mittelpunkt dieses Bandes bilden. Es schwingt sowiel Abwertung und Missachtung in Golons Worten mit, dass ich nicht glaube, dass sie einfach nur versucht hat, den Laut der damaligen Zeit zu treffen. Ein Beispiel:
"Mit der leidenschaftlichen Sprunghaftigkeit primitiver Wesen..." (S. 200)

Diese und andere Formulierungen fand ich wirklich grenzwertig. Das traurige ist, dass die Indianer tatsächlich so behandelt wurden, wie Golon beschreibt. Dass man ihnen mit Branntwein die Sinne benebelt hat und sie hungern mussten, weil sie für die Biberjagd, deren Felle die Neuankömmlinge bergeweise kauften, das Bestellen ihrer Felder vernachlässigten. In dieser Hinsicht gibt auch dieses Buch wieder gekonnt Aufschluss auf die historischen Gegebenheiten der Zeit.

Was Golon ebenfalls wieder gut gelungen ist, ist die Beschreibung und Entwicklung der verschiedenen Charaktere. Auf subtile Art und Weise finden Angélique und Joffrey, die sich in den Jahren der Trennung verfremdet hatten, wieder zueinander und auch die anderen Auswanderer wachsen an ihren Aufgaben und passen sich den Umständen an.

Insgesamt hat mich das Buch aber wie gesagt nicht überzeugt und ich kann leider nur 2 von 5 Wolken vergeben. Meine Begeisterung für Angélique hat seit dem ersten Band stark nachgelassen und es haben sich andere Bücher bei mir angehäuft, die zu lesen mir im Moment wichtiger ist. Und auch wenn ich jetzt vielleicht viele enttäuschen werde (mich eingeschlossen) muss ich sagen, dass ich das Angélique-Projekt vorerst auf Eis lege. Ich habe mich bis zum 7. Band gekämpft und vielleicht geht es irgendwann mal weiter, aber momentan fehlt mir die Lust dazu.

Die Übersicht des Angélique-Projekts gibt's hier, die Rezension zum ersten bzw. den ersten beiden Bänden findet ihr hier, die zum dritten und vierten Band hier und hier, zum fünften und sechsten Band hier und hier.  

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