Dienstag, 5. November 2013

"Der Herr der Ringe" von J.R.R. Tolkien

"Das Buch handelt weitgehend von Hobbits, und aus seinen Seiten kann ein Leser viel über ihren Charakter und ein wenig über ihre Geschichte erfahren. Weitere Einzelheiten sind auch in der Auswahl aus dem Roten Buch der Westmark zu finden, die unter dem Titel Der Hobbit bereits veröffentlicht wurde. Jene Darstellung stammt aus den ersten Kapiteln des Roten Buches, die Bilbo selbst, der erste Hobbit, der in der ganzen Welt berühmt wurde, verfasst und die er Hin und wieder zurück genannt hat; er erzählt darin von seiner Reise in den Osten und von seiner Rückkehr: Ein Abenteuer, durch das später alle Hobbits in die großen Ereignisse jenes Zeitalters, von denen hier berichtet wird, hineingezogen wurden."

"Der Herr der Ringe" von J.R.R. Tolkien

Verlag: Klett-Cotta (2002)
Format: HC, 1236 Seiten
ISBN: 978-3608932225
Originaltitel: "The Lord of the Rings" (1954)





Inhalt:

Das Ende von Mittelerde steht bevor, als der dunkle Herrscher Sauron erneut an Macht gewinnt. Doch eines fehlt ihm zu seinem endgültigen Sieg: der Eine Ring. Dieser gelangt in die Hände des Hobbits Frodo der es auf sich nimmt, den Ring zu vernichten. Eine lange Reise und viele Gefahren stehen ihm bevor, doch er hat Freunde und Gefährten, die ihm helfen, seine Bürde zu tragen.

Meine Meinung:

Kennt ihr das? Ihr seid gerade am Einschlafen und seid schon halb in einen Traum versunken, da habt ihr das Gefühl über eine Stufe zu stolpern oder in ein Loch zu treten und seid wieder hellwach? So ähnlich ging es mir gestern, als mein Kindle mir sagte, ich habe noch 12% des Buches zu lesen, die Geschichte dann aber plötzlich zu Ende war. Es folgten zwar noch Anhang, Karten und Stammbäume, die habe ich aber nicht mehr gelesen, und so war es ein komisches Gefühl, plötzlich und unvermutet mit diesem Wälzer fertig zu sein. Ich möchte dieses Buch nicht nach Wolken bewerten. Es zählt für mich zu den Klassikern, die ich nicht bewerten möchte, und ist so ein umfangreiches Werk, dass ich dem mit einer Bewertung von 1-5 nicht gerecht werden könnte. Daher in dieser Rezension nur ein paar Gedanken zum Buch.

Der Wälzer steht schon seit Jahren in meinem Schrank. Weil ich gern immer ein Buch bei mir habe, aber nicht jeden Tag gefühlte 10 kg Buch mit mir herumtragen wollte, blieb es auch im Schrank. Jetzt, mit Kindle und einer baldigen Neuseelandreise, sah ich die Zeit gekommen, den Herr der Ringe von meinem SuB zu entfernen. Ich habe dafür länger gebraucht, als erwartet. Das lag aber nur zum Teil daran, dass ich mich auf Reisen befinde und weniger lese als daheim. Denn ich habe gemerkt, dass ich nach etwa Dreiviertel des Buches lieber andere Sachen gemacht habe, wenn ich Freizeit hatte, als zum Kindle zu greifen. Nicht, weil ich das Buch nicht mochte, sondern weil ich manchmal das Gefühl hatte, nicht voran zu kommen und keine Kraft mehr zu haben. Am Anfang kam ich gut zurecht mit den vielen Namen, denn dank dem Film konnte ich sie einigermaßen zuordnen. Später häuften sich dann jedoch Gebirgsnamen, Orte, Nord, Süd, Ost und West und mir schwirrte nicht selten der Kopf. Beim Buch hat man den Vorteil, dass man schnell zur Karte vorblättern kann, was mit dem Kindle zwar auch gehen würde, doch wird (zumindest bei meiner E-Version) die Karte nur sehr klein angezeigt und bringt daher nichts.

Gegen Ende ging es dann aber zum Glück wieder schneller voran, auch wenn die Beschreibung der Ereignisse im Auenland nach der Vernichtung des Rings mich als Filmkenner ein wenig gelangweilt haben. Ich habe einfach schon den Schluss erwartet und war daher etwas ungeduldig (vor allem weil ich dachte, noch über 12% vor mir zu haben und mich fragte, was denn da noch kommen könnte.) Ich kannte bisher nur die Verfilmung des Herrn der Ringe und ich muss sagen, ich habe riesengroßen Respekt vor Peter Jackson, denn ich hätte vorher nicht gedacht, dass sich der Film so genau an die Romanvorlage hält. Natürlich musste vieles weggelassen und geändert werden, im Großen und Ganzen spiegelt der Film den Roman jedoch sehr gut wieder. Ich war erstaunt als ich bemerkte, dass Gegebenheiten, die ich bisher für vom Ressigeur eingebaut hielt, tatsächlich auch im Buch vorkommen. So zum Beispiel der kleine Wettstreit zwischen Gimli und Legolas oder Aragorns Anziehung auf Eowyn. Auch das Textstellen teils eins zu eins übernommen wurden gefällt mir sehr gut.

Ich finde es absolut faszinierend, wie viele Details in dem Roman stecken und wie viel Hintergrundgedanken sich Tolkien dazu gemacht hat. Eine eigene Sprache und Schrift, eine ganze Historie und Stammbäume von ganzen Völkern... und das ohne Computer und zu einer Zeit, in der das Genre noch lange nicht den Stellenwert hatte, den es heute hat. Wow. Doch trotz meinem Respekt für Tolkiens Lebenswerk bin ich sehr froh, dass ich das Buch auf Deutsch gelesen habe. Auf Englisch hätte ich wohl doppelt so lang gebraucht. Ich finde, es ist eine Sache, als nicht-muttersprachler ein non-fiction Buch auf Englisch zu lesen; ein englisches Fantasy-Buch zu lesen, ist eine ganz andere! Denn hier hat man nicht nur mit unbekannten Worten zu kämpfen, sondern mit Fremdwörtern, die es schlichtweg gar nicht gibt! Bei der Wahl der Übersetzung sollte man jedoch vorsichtig sein. Ich habe die Carroux-Übersetzung und bin mit dieser gut zurecht gekommen. Die Sprache wirkt ein wenig angestaubt, was aber meiner Meinung nach zur Entstehungszeit des Originals und auch zur Story passt. Krege hat sich an eine modernere Übersetzung gewagt, anhand einiger Textbeispiele, die ich hier gefunden habe, kann ich jedoch sagen, dass sie mir absolut nicht gefällt und dem Buch eine sehr unschöne Maske aufsetzt: (Original - Carroux - Krege)
„Tongues began to wag in Hobbiton and Bywater […]“ (S.34)
„Die Zungen standen nicht still in Hobbingen und Wasserau […]“ (S.36)
„In Hobbingen und Wasserau zerriss man sich die Mäuler […]“ (S.38)
„'I heard a deal that I didn't rightly understand […]” (S.77)
„Ich hörte allerlei, was ich nicht recht verstand […]“ (S.87)
„'ich hab so allerlei gehört, was ich nicht ganz kapiert hab […]“ (S.93)
„'Coming, sir!'“ (S.83)
„'Ich komme, Herr! '“ (S.95)
„'Komme gleich, Chef! '“ (S.101)

Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen, jetzt bin ich aber hauptsächlich stolz darauf, es komplett gelesen zu haben. Es war teilweise anstrengend, zählt aber für mich zu den Büchern, die es wert sind, gelesen zu werden. Ich freue mich auf Neuseeland, wo ich in weniger als einer Woche ankommen werde, und wo ich einige der Drehorte besuchen möchte.

Habt ihr das Buch gelesen? Wenn ja, in welcher Sprache und welcher Übersetzung? Findet ihr den Film bzw. die Filme gut umgesetzt?

Kommentare:

  1. Ich habe "Der Herr der Ringe" nicht gelesen. Ich denke auch nicht, dass ich das noch tun werde. Aber die Filme liebe ich und finde sie auf alle Fälle gut umgesetzt!
    Was ich aber eigentlich faszinierend finde ist, was Tolkien da für eine Welt geschaffen hat. Wie du schon geschrieben hast, mit Sprache, Stammbäume, etc. Ich kenne kein anderes Werk, dass genauso umfangreich und detailliert in diesem Punkt ist. Vielleicht ansatzweise die Welt von "Eragon".
    Ich finde es gut, dass du keine Wertung vergeben hast. Sehe das genauso wie du :-)

    Liebe Grüße,
    Kathi

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  2. Ich habe das Buch zum ersten Mal mit zwölf gelesen - und war hoffnungslos überfordert. Ein paar Jahre später habe ich es nochmals versucht, und seither haben mich Tolkiens Welten gepackt. Ich lese seine Bücher immer mal wieder (inzwischen in englisch), aber selten von Anfang bis Ende, weil ich die Geschichte ja kenne und allzuviel Tolkien am Stück irgendwann auch ermüdend finde. Aber die Bücher sind sowas wie alte Freunde geworden, die man ab und zu wieder treffen kann, und jedesmal gibt es neue Details zu entdecken...

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  3. Ich habe "Der Herr der Ringe" in dieser grünen dreibändigen Ausgabe gelesen, aber direkt eines nach dem anderen. Ich weiß nicht mehr, wie lange ich gebraucht habe, denn ich war damals in der vierten Klasse, aber seit damals gibt es für mich kein tolleres und faszinierenderes Buch als Tolkiens Meisterwerk. Seit damals bin ich gefangen zwischen Auenland und Schicksalsberg und ich kann die Finger nicht mehr von (High-)Fantasy lassen. Beginnen hatte es aber, als ich in der dritten Klasse "Der kleine Hobbit" geschenkt bekam und diesen direkt verschlungen habe. Den Hobbit habe ich erst Ende 2012 nochmals gelesen, aber in der neuen Übersetzung von Wolfgang Krege und ich muss dir da absolut Recht geben (das habe ich auch in meiner Rezension geschrieben). Die alte Übersetzung, in diesem Fall von Walter Scherf, ist 1.000 Mal besser und eingängiger als die Neuübersetzung von Wolfgang Krege. Mit der kann ich nicht wirklich viel anfangen.

    Ich kann mir auch nicht vorstellen Frodo und Co. eine Wertung in Punkten, Sternen, etc. zu vergeben, dafür haben sie einfach schon zu lange einen Platz in meinem Leserherzen und sie werden mich noch ein Leben lang begleiten!

    LG
    Kathi

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  4. Ich habe die Bücher etwa drei Male gelesen. Es ist einfach toll und ich geniesse es jedesmal einzutauchen in diese spezielle und fantastische Welt..
    Küsschen
    Mila
    www.married-to-c.ch

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Danke für deinen Kommentar! Schau doch bald wieder rein, dann habe ich geantwortet :)