Montag, 6. Oktober 2014

"Königskinder" von Gernot Gricksch

"Hallo, Du! Ich habe keine Ahnung, wer Du bist - aber ich weiß, dass es Dich gibt. Irgendwo da draußen bist Du. Ich schreibe Dir, weil ich nicht weiß, an wen sonst ich diesen Brief richten könnte. Ich weiß nur, dass er unbedingt geschrieben werden muss. Ich vermute, er wird ziemlich lang werden, dieser Brief. Ich habe einiges zu erklären. Oder nein - das ist falsch. Ich kann gar nichts erklären, weil ich nämlich gar nichts verstanden habe. Das ist ja mein Problem. Genau genommen geht's darum in diesem Brief: um das Verstehenwollen. Ich will verstehen, warum ich mit meinen fast vierzig Jahren da bin, wo ich gerade bin, und die Dinge so laufen, wie sie laufen."




"Königskinder" von Gernot Gricksch

Verlag: Droemer (Feburar 2010)
Format: TB, 345 Seiten
ISBN: 978-3-426-19872-8
Preis: 8,99 € [D] 

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Inhalt


Simone und Mark wachsen in zwei verschiedenen Welten auf und verbringen die Hälfte ihres Lebens mit der Suche nach Liebe und Glück. Dass sie sich dabei immer um Haaresbreite verpassen ahnen sie nicht. Wird es ihnen jemals vergönnt sein, sich zu finden?


Meine Meinung


Hach, dieses Buch macht einfach gute Laune... Trotz der teilweise hanebüchenden Situationen ist es bodenständig und lässt den Leser eine Portion zufriedener und glücklicher zurück.

Die Erzählweise ist sehr interessant. Der Roman beginnt mit einem Brief, den die Protagonistin Simone an eine unbekannte Person schreibt und von ihrem Leben erzählt. Das erste Kapitel beginnt mit einer Schilderung der Umstände ihrer Geburt im Jahre 1970. Ein kleiner Stern innerhalb des Kapitels markiert einen Absatz. Danach erzählt plötzlich die andere Hauptfigur, Mark, seinen Geburtstag. Beide Begebenheiten werden in der Ich-Form erzählt und es hat kurz gedauert, bis ich begriffen hatte, dass hier zwei Ereignisse, die parallel stattfanden, erzählt werden.

So geht das Buch weiter, wodurch der Leser eine Situation immer von zwei Seiten betrachten kann und es ist irrsinnig komisch, wie verschieden Wahrnehmungen doch sein können.

Im Verlauf des Romans neigt man immer mehr zum Haareraufen und gegen Ende war es fast unerträglich mit anzusehen, wie nahe Simone und Mark sich ständig kommen, ohne je aufeinander zu treffen. Diese Tatsache ist es auch, die das Buch so spannend und den Lesefluss so rasant macht. In meinem Kopf ging es teilweise zu wie im Fußballstadion, wenn bei einem verpatzten Tor ein kollektives enttäuschtes "Ohhhh" die Luft erfüllt.

Spannend ist auch die parallele, aber entgegengesetzte Entwicklung der beiden Charaktere und die Einsichten, die damit einhergehen. In ihnen kann sich wohl jeder ein bisschen wiederfinden und man beginnt unwillkürlich darüber zu philosophieren, was die eigenen Werte sind und warum.

Doch eine Sache hat mir an dem Buch nicht gefallen: der Schluss. Er passt zwar irgendwie und schließt auch den Erzählkreis, ich hätte mir dennoch gewünscht, dass das Buch ein paar Kapitel früher geendet hätte (Leser werden wissen, welche Stelle ich meine), aber vielleicht bin ich doch eine hoffnungslose Romantikerin... Auch der Titel hat sich mir nicht erschlossen, aber Herr Gricksch wird sich schon etwas dabei gedacht haben.

Im Übrigen erinnert mich Gricksch ein wenig an Glattauer. Zumindest vom Gefühl, das ich beim Lesen und nach dem Weglegen des Buches hatte. Ich vergebe 5 von 5 Wolken für dieses Buch. und ich werde sicherlich noch mehr von Gernot Gricksch lesen!

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