Montag, 10. November 2014

"Hexenschwestern" von Celia Rees

"Wenn ich eine Hexe bin, werden sie es bald wissen. Ich habe niemals irgendjemand etwas Böses gewünscht, doch als ich aus Beulah fliehen musste, prallten Wut und Hass mit solcher Heftigkeit in mir zusammen, dass Flüche wie Funken stoben, als schlüge Stahl auf einen Feuerstein. Ich hatte nichts Böses getan, warum also war ich gezwungen zu fliehen?"



"Hexenschwestern" von Celia Rees

Verlag: Arena (2002)
Format: HC, 316 Seiten
ISBN: 3-401-05222-5
Originaltitel: Sorceress (2006)

Teil 2 von 2

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Inhalt


Nachdem Mary aus ihrer Siedlung fliehen musste, weil sie der Hexerei bezichtigt wurde, findet sie ein neues Heim bei befreundeten Indianern. Doch über ihr weiteres Leben gibt es keine Aufzeichnungen mehr, was die Historikerin Alison Ellman verzweifeln lässt. Hoffnung keimt auf, als sie die junge Indianerin Agnes kennen lernt, die seit einiger Zeit von Visionen heimgesucht wird. Könnte es sich um Mary's Geschichte handeln, die von Mary's Geist übermittelt wird?


Meine Meinung


"Hexenschwestern" ist der Folgeband von "Hexenkind", ist jedoch etwas anders aufgezogen. Es handelt sich nicht um ein Tagebuch wie im ersten Band, sondern um eine erlebte Vision der Studentin Agnes.

Ich finde dieses Idee besonders schön, denn sie verbindet Vergangenheit und Gegenwart über mehrere Generationen hinweg. Außerdem verschafft sie einen kleinen Einblick in das Leben moderner Indianer und ihren Konflikt mit der Moderne wenn es zum Beispiel um die Ausstellung von Artefakten geht. Das Leben von Agnes' Tante, die ihr bei ihren Visionen zur Seite steht, wirkt an manchen Stellen vielleicht ein wenig klischeehaft, auf der anderen Seite steht jedoch das Casino im Reservat, was einen interessanten Kontrast dazu bildet und verdeutlicht, wie verschieden das Leben der Indianer heute sein kann.

Obwohl immer wieder kleine Passagen in der Gegenwart den Roman durchziehen, liegt der Schwerpunkt auf Mary's Leben bei den Indianern und deren ständigen Kampf mit den Kolonisten. Dieses wirkt gut recherchiert und die verschiedenen auftauchenden Indianerstämme lassen die Erzählungen sehr authentisch wirken. Rees gibt jedoch keine Informationen darüber, ob diese kriegerischen Auseinandersetzungen auf Tatsachen beruhen oder erfunden sind - wobei natürlich außer Frage steht, dass es solche Kämpfe tatsächlich gegeben hat. Stattdessen finden sich am Ende "Aufzeichnungen" über die anderen Charaktere, die Marys Geschichte durchziehen und teilweise auch vom Krieg betroffen sind. Diese runden die Erzählung ab und schließen den Kreis.

Eine, vor allem für ein Jugendbuch wie dieses, wichtige Komponente, die hier besonders gut dargestellt wird, ist der Glaube der weißen Siedler zu wissen, was eine richtige und gute Lebensweise ist. Diese Anmaßung zieht sich durch die ganze Menschheitsgeschichte und es ist wichtig, dass junge Leser perspektivisches Denken lernen, was durch Bücher wie dieses gefördert wird. Dieser Aspekt erscheint mehrmals im Buch und betrifft sowohl Mary als auch ihren Ziehsohn, die von den weißen verschleppt werden um so "gerettet" zu werden.

Insgesamt handelt es sich um ein Buch voller Lehren und Weisheiten, die zum Nachdenken über den Umgang der Menschen mit anderen Ethnien anregen, was ich vor allem in Jugendbüchern für ein sehr wichtiges Thema halte. "Hexenschwestern" empfand ich im Gegensatz zum Vorgänger "Hexenkind" ein klein wenig düsterer und härter und würde ich daher etwas älteren Kindern empfehlen. Dafür spricht auch, dass Mary in diesem Band über 10 Jahre älter ist als im ersten Band und damit möglicherweise für Kinder schwerer zu fassen. Ich vergebe 4 von 5 Wolken.

Mittlerweile gibt es übrigens auch einen Sammelband für 9,99 €, der beide Bände beinhaltet. 

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