Dienstag, 6. Januar 2015

"Der Mann, der den Regen träumt" von Ali Shaw

"Der Regen begann mit einem einzelnen sanften Tippen an ihr Schlafzimmerfenster, dann noch eins und noch eins, und schwoll schließlich zu einem stetigen Prasseln gegen die Scheibe an. Sie zog die Vorhänge auf und erblickte einen Himmel wie aus angelaufenem Silber, ohne eine Spur von Sonne. Sie hatte so sehr auf einen solchen Morgen gehofft, dass sie einen leisen Seufzer der Erleichterung ausstieß."



"Der Mann, der den Regen träumt" von Ali Shaw

Verlag: script5 (2013)
Format: HC, 333 Seiten
ISBN: 978-3-8390-0146-2
Preis: 18,95 € [D] 
Originaltitel: "The Man Who Rained (2012)

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Inhalt


Elsa befindet sich in einer Krise und beschließt, New York und ihr altes Leben hinter sich zu lassen, um in dem kleinen Städchten Thunderstown neu anzufangen. Sie fühlt sich wohl dort, findet sofort eine Wohnung und einen Job und genießt Spaziergänge in der Berglandschaft, die die Stadt umgibt. Doch dann beobachtet sie, wie sich ein Mann in Nebel und Regen auflöst. Sie lernt ihn näher kennen und verliebt sich in ihn. Doch was ist dran an den Warnungen des Bergjägers Daniel Fossiter? Handelt es sich bei Finn wirklich um den von den abergläubischen Stadtbewohnern gefürchteten Old Man Thunder? Kann jemand Mensch und Gewitter gleichzeitig sein?

Meine Meinung


Zuerst aufgefallen ist mir dieses Buch - wie so vielen anderen Lesern auch - durch das wunderschöne Cover. Es trifft den Inhalt des Romans meiner Meinung nach sehr gut und ist einfach ein Eyecatcher. Auch die kleine Zeichnung, die jedem Kapitel voran geht, ist ein hübsches Detail. Der Klappentext hat mich ebenfalls sofort angesprochen, das Buch war dann aber leider doch ganz anders, als ich erwartet und erhofft hatte. Es hat mich zwar streckenweise gefesselt, zu einem Lieblingsbuch ist es aber nicht geworden - obwohl ich es schon als solches gesehen hatte.

In dem Roman verlaufen verschiedene Handlungsstränge parallel. Vordergründig geht es um die Liebesgeschichte zwischen Finn und Elsa, dazu gehören aber auch Finns Lebensgeschichte und seine Beziehung zu seiner Mutter, die wiederum als Erinnerungen des Bergjägers Daniel Fossiter nach und nach offen gelegt werden. Auch Elsas Vergangenheit, ihr Vater sowie die Geschichte der Stadt spielen eine Rolle auf der Suche nach der Wahrheit.

Der Ort Thunderstown und die Landschaft drum herum sind erfunden, wobei ich es sehr mag, wie Shaw die Brücke zwischen dem echten New York und der erfundenen alten Bergarbeiterstadt geschlagen hat. So bekommt man das Gefühl, dass eine solche Stadt mit solchen Vorkommnissen gar nicht so weit von einem selbst entfernt liegen könnte.

Shaw hat sich darum bemüht, in diese großteils realistisch gezeichnete Welt fantastische Wesen und Geschehnisse einzuweben, was ihm meiner Meinung nach aber nur mäßig gut gelungen ist. Ich finde die Idee zwar wundervoll, dass Wetter Menschengestalt annehmen kann, und das Wesen wie Wasserpferde in der Umgebung einer halbwegs modernen Stadt vorkommen. Das verleiht dem Roman einen angenehmen Hauch von Urban Fantasy und auch, dass Shaw mit dem Bergjäger einen extra Beruf erschafften hat, der sich mit den fantastischen Elementen der Gegend zu befassen hat, trägt zu dieser Atmosphäre bei. Die Reaktionen der Menschen auf diese Phänomene fand ich aber häufig nicht nachvollziehbar.

In diesem Zusammenhang möchte ich vor allem Elsas Verhalten Finn gegenüber nennen, nachdem sie zum ersten Mal gesehen hat, wie dieser sich auflöst. Ihre Reaktion fand ich absolut unrealistisch dafür, dass sie eine Frau aus der Großstadt ist. Diese Begegnung kommt auch sehr unglücklich konstruiert daher - wer geht schon in eine alte, verfallene Windmühle und schließt dann die Türe hinter sich, die man vorher nur mit Mühe aufbekommen hat? - ich musste wirklich lachen.

Überhaupt empfand ich Elsa und Finn, die ja eigentlich die Protagonistin sind, eher flach gezeichnet und ich konnte keinen richtigen Zugang zu ihnen finden. Das ist nur dem Bergjäger Daniel Fossiter gelungen, denn sein Charakter ist von mehreren Generationen und gesellschaftlichen Anforderungen geformt worden, die gut nachvollziehbar machen, warum er sich so verhält, wie er es tut. Er hat auch die größte Entwicklung durchgemacht und ist für mich damit der eigentliche Held des Romans.

Shaw hat es meiner Meinung nach auch versäumt, einige angeschnittene Dinge aufzuklären, was zwar an sich nicht tragisch ist, durch die Häufung für mich aber das Gesamtbild des Romans empfindlich gestört hat. Vor allem die Auflösung nach dem, das muss ich Shaw zugestehen, äußerst spannenden und dramatischen Showdown, fand ich unschlüssig. Was mir außerdem gegen den Strich ging war die überdurchschnittlich große Zahl an toten Tieren, teils gewaltsam und grausam von Menschen umgebracht.

Insgesamt ist "Der Mann, der den Regen träumt" ein außergewöhnlicher und streckenweise hochspannender Fantasyroman, der für mich aber zu viele Ungereimtheiten und Fragezeichen zurück ließ. Ich vergebe daher 3 von 5 Wolken.

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