Montag, 19. Januar 2015

"Traumklänge" von Frederik Hetmann

"Der Traum, den Izaak mit sich herumtrug, war es, einen großen Roman zu schreiben. Roman hätte er es nur genannt, wenn er nicht darum herumgekommen wäre, mit anderen darüber zu sprechen, was er aber vermied. Eigentlich stellte er sich eine lange Geschichte vor, mit der man lesend nicht so rasch zu Ende kam, eine Geschichte, die Bücher füllte, so dick wie die von Thomas Wolfe oder von Marcel Proust, eine Geschichte, in der man eine Woche Tag und Nacht schmökern konnte, die Welt vergessend, Essen, Trinken, Schlaf, Einsamkeit und die Liebe, und die nach der Lektüre immer noch nicht zu Ende war."




"Traumklänge oder Das längste Märchen, das es je gab" von Frederik Hetmann

Verlag: BLT (2004)
Format: TB, 519 Seiten
ISBN: 978-3-404-92217-8
Preis: 9,95 € [D] 

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Inhalt


Izaak träumt davon, einen Roman zu schreiben, bei dessen Lektüre man die Welt vergessen kann, doch im fehlt die nötige Inspiration. Diese gelangt schließlich in Form einer metallenen klingenden Kugel in seinen Besitz, die dann auch die Hauptrolle in seiner Geschichte erhält. Die Kugel fördert die Erfüllung der Träume des Besitzers, doch obwohl sie von vielen als Glücksbringer betrachtet wird, beschert sie nicht jedem von ihnen ein Happy End.


Meine Meinung


Ich bin froh, dieses Buch endlich von meine SuB befreien zu können, wo es schon seit vielen Jahren steht. Ich weiß, dass ich es vor einiger Zeit schon einmal begonnen hatte und war eigentlich der Meinung, es bald darauf wieder weggelegt zu haben. Beim Lesen hatte ich jetzt aber so viele Déjà-vu-Erlebnisse, dass ich mich ernsthaft fragen muss, ob ich das Buch vielleicht doch schon einmal ganz gelesen habe. Falls dem so wäre, wäre es das erste Mal, dass mir so etwas passiert ist, nämlich, die Lektüre eines ganzen Buches vergessen zu haben.

Andererseits wäre das nicht verwunderlich, denn insgesamt ist das Buch mit den darin enthaltenen kurzen Geschichten für mich keines, das durch irgendwelche markanten Geschehnisse im Gedächtnis bleiben würde.

Zwei Geschichten sind in diesem Buch miteinander verknüpft: Die des Journalisten Izaak, der durch seine neue Freundin Eliza an eine geheimnisvolle Kugel gelangt, die ihn dabei unterstützt, seinen lange geplanten Roman in die Tat umzusetzen. Dieser wiederum stellt die zweite Geschichte dar, bei der der Leser der Kugel durch die Zeit und rund um die Welt folgt. Die Reise beginnt mit einer märchenartigen Erzählung wie aus Tausendundeiner Nacht, durchquert das Mittelalter, reist in die neue Welt und sogar in das Reich der Feen. Man wohnt Inquisitionen und Kriegen bei, aber auch Augenblicken größten Glücks und erfüllter Liebe. Menschen mit realen Vorbildern begegnen dabei erfundenen Persönlichkeiten, die an verschiedensten historischen Ereignissen beitrugen oder zumindest direkt von ihnen beeinflusst wurden.

Wer historisch und politisch nicht so bewandert ist, kann kurzen Stellungnahmen im Anhang entnehmen, ob das Gelesene nun wahr oder erfunden ist und wo gegebenenfalls mehr über die vorkommenden Personen und Ereignisse erfahren werden kann. Ich stehe so einem Schreibstil eher skeptisch gegenüber, denn aus dem Bereich der Pädagogik weiß ich, wie schnell sich falsche Tatsachen als richtig einprägen, wenn man sie liest. Das Buch ist daher mit Vorsicht zu genießen.

Passagenweise hat mir der Roman ganz gut gefallen und einige Kapitel vermochten es durchaus, mich zu fesseln. Zu diesen zählt zum Beispiel die Rahmengeschichte, die von Izaak und Eliza handelt und gegen Ende äußerst spannend wird. Im Großen und Ganzen empfand ich den Roman aber als anstrengend und langweilig. Besonders missfallen hat mir die plumpe Art des Autors, über Sex zu schreiben. Die häufig vorkommenden Szenen wirken konstruiert und erschienen mir oft unpassend, außerdem liefen sie immer gleich ab.

Generell bin ich über die in dem Buch auftauchenden Frauenrollen weniger glücklich, was aber großteils auch den Zeiten geschuldet ist, in der die Kapitel jeweils spielen. Ich finde auch nicht, dass die im Buch enthaltenen Kapitel in die Gattung "Märchen" einzuordnen sind, wie der Titel impliziert. Es könnte allenfalls noch als modernes Märchen durchgehen, wobei auch das keine Bezeichnung ist, die mir sofort zu diesem Buch einfallen würde.

Ich vergebe 2 von 5 Wolken für diesen Roman.

Kommentare:

  1. Hm... schade, dass dein Fazit am Schluss so schlecht ausfiel. Die Einleitung der hat mich nämlich echt total neugierig gemacht und der Plot klang irgendwie total schön und spannend. Aber nach deinem Urteil werde ich mich wohl jetzt doch nicht auf das Buch stürzen. ;)

    LG Cat

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    1. Liebe Cat,

      das ist wieder einer der Momente, wo es mir unendlich leid tut, wenn ich nur wenige Wolken für ein Buch vergeben kann und andere damit davon abhalte, es zu lesen. Wenn ich euren Blog und deinen About-Text so überfliege denke ich nämlich, dass "Traumklänge" durchaus etwas für dich sein könnte! 2 Wolken heißen bei mir "grenzwertig, aber noch lesbar" und es ist ja auch nicht so, dass ich es abgebrochen habe. Also, falls es sich mal ergibt, dann gib dem Buch eine Chance ;)

      Viele Grüße
      Jacy

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Danke für deinen Kommentar! Schau doch bald wieder rein, dann habe ich geantwortet :)