Freitag, 22. Mai 2015

"Die verschollene Rasse Mensch" von Celeste Ealain

"Das Mondlicht lastete wie ein Fluch auf ihr. Das sonst so beruhigende und liebliche Geräusch des Meeres schien ihr diesmal keinen wohligen Mantel an Geborgenheit zu schenken. Sie fasste nochmals fester um den eisernen Griff des Baseballschlägers, der durch ihre schweißtriefenden Hände immer mehr der Schwerkraft entgegen glitt. Die Stütze und Sicherheit, die er ihr vermitteln sollte, wagten nicht, über ihre Fingerkuppen den Weg zu ihrem Geist zu finden. Nervosität machte sich in ihr breit, und eine Gänsehaut kletterte ihren Nacken entlang. Sie spürte, wie ihre Zehen sich immer mehr im Sand vergruben."



"Die verschollene Rasse Mensch" von Celeste Ealain

Verlag: Celeste Ealain (2014)
Format: Ebook, ca. 376 Seiten
Preis: 3,99 € [D]

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Inhalt


Bei einer Recherchereise zu einem neuen Artikel stößt die Journalistin Linnéa auf eine Gruppe von Menschen, von denen die Männer anatomisch so gebaut sind, dass sie unter Wasser leben können. Linnéa gerät in deren Fänge und soll für einen Monat bei dem jungen Idris leben, bevor sie dem Meer übergeben werden soll um zu ertrinken und ihr Geheimnis zu bewahren. Doch wider Erwarten knüpft sich ein tiefes Band der Zuneigung zwischen den Beiden und als Linnéa schwer verletzt wird, missachtet Idris die Regeln seines Königs und bringt sie zurück zur Oberfläche. Dort wie sie gejagt, um sie zum Schweigen zu bringen. Doch Linnéa gibt nicht auf und kämpft eisern dafür, mit Idris zusammen sein zu können.


Meine Meinung


Zu diesem Buch bin ich über Blogg dein Buch gekommen. Die Autorin hat mir noch vor der Benachrichtigung durch Blogg dein Buch das Ebook mit ein paar persönlichen Worten zukommen lassen und kurz darauf habe ich auch schon mit dem Lesen begonnen.

Der Einstieg fiel mir leicht und ich konnte mich gut in die Protagonistin Linnéa hineinversetzen. Ihre Geschichte hat mich berührt und ich konnte gut nachvollziehen, wie schlecht es ihr gehen musste. Der Ausblick auf eine Forschungsreise und einen Artikel unter ihrem Namen belebte sie neu und sie setzte all ihre Hoffnungen darauf.

Ich hatte ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass es sich bei "der verschollenen Rasse Mensch" um eine solche Population handelt, bei der die Männer unter Wasser leben. Bei der Beschreibung ihrer Körper und Behausungen musste ich mich sehr zusammenreißen, denn normalerweise mag ich solche Bücher nicht. Ich habe mich aber gezwungen, dem Roman eine Chance zu geben, und bin mittlerweile froh darüber. Denn es steckt so viel mehr in dem Roman; vor allem eine Kritik an der Forschungswütigkeit unserer Gesellschaft, die nicht selten über Leichen geht...

Da in der Inhaltsbeschreibung schon ein Verweis auf Passagen gemacht wird, die für Jugendliche unter 16 Jahren nicht geeignet sind, rechnet man schon mit einem - zumindest teilweise - erotischen Roman. Ealain spielt jedoch sehr geschickt mit dieser Erwartung und lässt sowohl ihre Leser als auch die Handelnden sehr lange zappeln, bis es tatsächlich soweit kommt und sich damit auch die beiden scheinbar so unterschiedlichen Rassen vereinen.

Ich habe es sehr bewundert, wie Ealain die Entwicklung der Beziehung zwischen Linnéa und Idris beschreibt. Es ist in meinen Augen ein großes Plus dass sich Linnéa nicht sofort in ihr Schicksal fügt, wie das in anderen Roman solcher Art häufiger vorkommt. Stattdessen bleibt sie rebellisch - eigentlich bis zum Ende. Der ein oder andere "Ja klar"-Effekt war dennoch dabei, meistens, weil sich Konfliktsituationen für meinen Geschmack zu schnell und zu unrealistisch aufgelöst haben.

Negativ aufgefallen ist mir jedoch der sprachliche Ausdruck der Autorin. Ich mag ihren Stil an sich gerne, denn er liest sich leicht und hat auch einen gewissen humoristischen Zug. Aber viele Formulierungen sind einfach falsch. Zum Beispiel "[...] und lehnte sich in ihrem sporadischen schwarzen Drehsessel zurück" oder "[...] geräuschvoll musste sie ihre Nase bekehren." So etwas kommt in diesem Roman wirklich überdurchschnittlich häufig vor und schreit meiner Meinung nach nach einer Überarbeitung.

Außerdem ist Ealain ein wirklich grober Fehler unterlaufen, als Linnéa in einem neuseeländischen Souvenirladen Boomerangs und getupfte Aborigine-Kunst findet. Ich bin sicher, dass die Autorin es besser weiß, beim Schreiben aber einfach durcheinander kam. Beim Lektorieren sollte so etwas meiner Meinung nach aber auffallen.

Sieht man über diese Stilfehler hinweg, kann man jedoch viel Freude mit dem Roman haben. Er ist spannend gestaltet und hielt - zumindest für mich - einige Überraschungen bereit. Ich habe ihn relativ schnell ausgelesen, denn die kurzen Kapitel und Sprünge zu anderen Szenen, durch die der aktuelle Handlungsstrang immer wieder unterbrochen wird, mach das Buch zu einem echten page-turner.

Ich vergebe 4 von 5 Wolken und sehe damit großzügig über die vielen Formulierungsfehler hinweg. Ich könnte mich darüber ärgern, andererseits brachten sie mich wider Willen häufig auch zum Lachen - was aber hoffentlich nicht Sinn der Sache war!

Kommentare:

  1. Ich lese das Buch auch gerade, und wie du stolpere ich ständig über die sprachlichen Patzer. Für mich wiegen sie aber schwerer, denn wenn ich bei den spannendsten Szenen nicht mitfiebern kann, weil ich über die Sprachkapriolen lachen muss, nervt mich das sehr. Und auch mit der allgemeinen Rechercheleistung bin ich unzufrieden, das ist mir zu viel Fantasy und zu wenig Wissenschaft. Ich schwanke deshalb zwischen 2 und 3 Sternen. Mal schauen, wie es endet...

    LG, Julia

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  2. Vielen, vielen Dank für die Rezension und ehrliche Kritik.

    Ich schätze über meine 'Eigenkreationen' lässt sich wahrlich streiten, denn im Lektorat muss ich mir viele Ausdrücke schwer erkämpfen, da ich sie als meine Ausdrucksweise sehe. Das mag in der heutigen Zeit, wo der Großteil der Bücher dem Mainstream und sprachlichen Formaten folgen muss verkehrt sein, aber ich bleibe mir dabei selbst treu. Viele meiner treuen Leser schätzen genau diese Stellen. Denn alle, die mich kennen, wissen, dass ich auch im Real Life solche 'gewöhnungsbedürftigen Kreationen' rauswerfe. Aber ich schätze die Ehrlichkeit, wenn dies nicht gut aufgenommen/angenommen wird und bin sehr dankbar dafür, da ich dann mit der Zeit abwiegen kann, wo es 'too much' wird und wo ich noch auf einer erträglichen Linie mir selbst treu bleibe.
    Das mit den Bumerangs ist gut beobachtet. Die Szene spielte zuerst an der Küste Australiens, doch wegen der Entfernungen war dies im Lektorat nicht mehr korrekt und musste verschoben werden. Da ich aber Bekannte in Neuseeland habe, habe ich mich erkundigt, ob in den Souvenirshops auch australische Souvenirs üblich sind und habe Kiwis und andere Exponate ergänzt. Somit war ich damit zufrieden.

    Ich gelobe aber Besserung und hoffe, die Pluspunkte im Buch können dennoch eine schöne Erinnerung an die Unterwasserwelt hinterlassen.

    lg und schöne Pfingsten
    Celeste

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Danke für deinen Kommentar! Schau doch bald wieder rein, dann habe ich geantwortet :)