Dienstag, 23. Juni 2015

"Du glaubst doch an Feen, oder?" von Christoph Marzi

"Manchmal muss man die Dinge, die man finden will, erst einmal verlieren. Deshalb bin ich hier, allein. Meine Mutter hat keine Ahnung, wo ich stecke. Ich bin ausgerissen, das ist jetzt keine zwei Tage her. Ich musste es tun, alles andere wäre falsch gewesen. Und obwohl ich mich fürchte, bin ich zurückgekehrt. Meine Güte, wenn ich ehrlich bin, dann habe ich wohl noch niezuvor in meinem Leben solche Angst gehabt."



"Du glaubst doch an Feen, oder?" von Christoph Marzi

Verlag: Arena (2009)
Format: TB, 103 Seiten
ISBN: 978-3-401-06365-2
Preis: 3,95 € [D] 

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Inhalt


Philippa verbringt ein paar Tage mit ihrem Onkel und ihrer Tante auf Mount Desert Island. Als sie dem geheimnisvollen Fox begegnet, ist es um sie geschehen. Doch er warnt sie davor, sich in ihn zu verlieben, und von der alten Otterfrau erfährt sie auch, warum: Er wurde einst von einer Fee geraubt und kann nur an zwei Tagen im Jahr, den Sonnwendtagen, von jemandem, der ihn bedingungslos liebt, befreit werden. Philippa ist sich sicher, dass sie diejenige ist, die dazu im Stande ist.


Meine Meinung


Dieses kleine Magnet-Büchlein ist nur 103 Seiten stark, steht den anderen phantasitschen Werken Marzis aber in nichts nach. Es ist ein modernes, düsteres Märchen mit überraschendem Ausgang.

Wie es für solche Geschichten typisch ist, wird der Leser ganz unvermittelt in die Handlung hinein geworfen. In wenigen Sätzen erfährt man von der Protagonistin Philippa selbst, wer sie ist und dass sie etwas Wichtiges tun muss. Das weckt natürlich sofort die Neugierde darauf, was denn nun kommen mag. Doch zunächst muss man natürlich die ganze Geschiche kennen, und Philippa beginnt zu erzählen.

Ihre Geschichte könnte die von vielen jungen Mädchen heutzutage sein: Die Eltern trennen sich, während der gemeinsame Haushalt aufgelöst wird, wird die Tochter zu Verwandten geschickt, die sich darum bemühen, ihr das Leben zu erleichtern. Völlig unerwartet verliebt das Mädchen sich und alles scheint doch noch irgendwie gut zu werden. Doch ihr Geliebter ist Eigentum einer bösen Fee, dich sich nicht gerne ihrer Besitztümer berauben lässt.

Natürlich kann man bei einem so kleinen Büchlein keine ausführlichen Ausarbeitungen der Charaktere erwarten. Trotzdem blieben die Hauptcharaktere zu blass für meinen Geschmack, verglichen mit Beschreibungen wie der der Otterfrau. Diese sowie ihre Behausung werden unverhältnismäßig genau beschrieben und ich frage mich, warum Marzi nicht auch ein wenig mehr Farbe in andere Szenen gebracht hat.

Das Ende kam für mich trotz aller versteckten Hinweise sehr überraschend und ich war ziemlich betroffen von der tragischen Wendung. Diese ließ mich die Geschichte aber plötzlich mit ganz anderen Augen sehen. Während ich Philippa anfangs nur für einen äußerst naiven und ziemlich unglaubwürdigen Charakter hielt, ging mir am Ende auf, dass sie auch als Typ aufgefasst werden kann. Sie kann für viele Frauen und Mädchen stehen, die sich von Männern beeinflussen lassen und sich in Gefahr begeben, und hat somit auch eine belehrende Funktion.

Wäre das Ende nicht so verlaufen, hätte das Buch bei mir nicht ganz so gut abgeschnitten. Im Nachhinein schäme ich mich aber fast, dass ich Marzi einen so plumpen Plot überhaupt zugetraut habe. Ich vergebe 4 von 5 Wolken für dieses Mini-Buch.

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