Dienstag, 3. November 2015

"Cut" von Patricia McCormick

"Du sagst, dass ich das Reden übernehmen muss. Du beugst dich vor und stellst ein Kästchen mit Papiertaschentüchern vor mich. Bei der Bewegung stöhnt dein schwarzer Ledersessel auf wie ein Lebewesen. Wie die Kuh, die er einmal war, bevor jemand kam, die Kuh schlachtete und daraus einen Ledersessel machte, der jetzt im Büro eines Irrenarztes in einer Klapsmühle steht. Du kreuzt deine Beine und deine Strumpfhose knistert. "Kannst du dich noch erinnern, wie es anfing?", fragst du. Ich kann mich genau erinnern."


"Cut" von Patricia McCormick

Verlag: Fischer (2004)
Format: TB, 190 Seiten
ISBN: 3-596-80461-2
Preis: 7,90  € [D] 
Originaltitel: Cut (2000)

☁ ☁ ☁ ☁


Inhalt


Callie wurde in eine psychatrische Anstalt eingeliefert, die "Bergidylle", wie sie von den Bewohnern genannt wird. Sie ist hier, weil sie sich selbst verletzt hat, doch zunächst nimmt sie keinerlei Hilfe an und spricht mit niemandem. Erst nach und nach gelingt es ihr, ihre Gefühle und Gedanken in Worte zu fassen und schließlich fasst sie Vertrauen zu ihrer Ärztin. Gemeinsam arbeiten sie Callies Vergangenheit auf mit dem Ziel, dass Callie wieder in ihr altes Leben zurückkehren kann.



Achtung! Diese Rezension enthält Spoiler!

Meine Meinung


"Cut" ist ein kurzes, nur 190 Seiten umfassendes Büchlein mit verhältnismäßig großer Schrift und dem Untertitel "Bericht einer Selbstverletzung". Es wird von der Protagonistin selbst erzählt, die ihre Worte an die behandelnde Ärtzin richtet und so auch dem Leser nach und nach ihre Geschichte erzählt.

Zu Beginn des Buches befindet sich Callie offensichtlich schon in Behandlung. Sie hat aufgehört zu sprechen, doch dank der Psychologin und den anderen "Gästen" der Anstalt wird sie langsam aus der Reserve gelockt und der Leser erfährt, sowohl aus inneren Monologen sowie später aus ihren Therapiegesprächen, wie es zu Callies Krankheit kam, die in selbstverletzendem Verhalten resultierte.

Leider empfand ich Callie und die anderen Mädchen in der Anstalt als dünn und charakterlos, und es fiel mir schon während des Lesens schwer, die Namen zu den Biografien und Charakterzügen zuzuordnen. Die rebellische Amanda wird in der Kurzbeschreibung besonders hervorgehoben, doch im Buch selbst spielte sie meinem Empfinden nach kaum eine Rolle. Sie provoziert gerne und sie leidet unter der selben Krankheit wie Callie, doch ich persönlich habe den Zusammenhang zwischen Callies langsamer Genesung und Amandas Auftauchen nicht gesehen. Vielmehr ist es die Gesamtsiutation, die Callie langsam zum Reden bringt.

Dieser Vorgang des sich Öffnens kam mir aber zu schnell vor, selbst wenn es gelegentlich Rückschläge gibt. Mir fehlten Callies Gefühle, Sorgen und Sehnsüchte, und alles, was das Buch tiefgründig macht. Irgendwie blieb alles oberflächlich und ich wusste nach nur wenigen Stunden kaum mehr etwas über dieses Buch, was ich sehr schade finde, da ein wichtiges Thema behandelt wird. Man hätte meiner Meinung nach mehr daraus machen können, vor allem aus der Problematik mit Callies Familie.

Auch die Gespräche mit der Therapeutin fand ich schwach, obwohl ich nicht weiß, wie solche Gespräche tatsächlich aussehen. Dass Callie sie in ihrem Bericht immer mit "du" anspricht, fand ich zusätzlich irritierend. Und dann gibt es da noch die Stelle, in der Callie einfach aus der Türe spaziert und aus der Psychiatrie verschwindet. Reichlich unrealistisch, finde ich.

Insgesamt kann ich dem Buch daher nur 2 von 5 Wolken geben, und es wird mein Bücherregal wohl demnächst verlassen. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Danke für deinen Kommentar! Schau doch bald wieder rein, dann habe ich geantwortet :)