Montag, 27. November 2017

"Die Australierin" von Ulrike Renk


"Die Australierin" von Ulrike Renk

Verlag: atb (2016)
Format: TB, 539 Seiten
ISBN: 978-3-7466-3002-1
Preis: 12,99 € [D] 

☁ ☁ ☁ ☁


Inhalt


Die junge Hamburgerin Emilia wächst bei ihrer wohlhabenden Tante und ihrem Onkel auf, die große Pläne mit ihr haben. Doch Emilia schenkt ihr Herz einem mittellosen Kapitän - eine Verbindung, der ihre Familie natürlich nicht zustimmt. Nach Jahren der Trennung macht Emilia dann den großen Schritt: Sie heiratet ihren Geliebten und geht mit ihm auf große Fahrt. Eine jahrelange Reise beginnt, die sie schließlich nach Australien führen wird...


Meine Meinung


Wer diesen Blog schon eine Weile verfolgt, der weiß, dass ich selbst vor einigen Jahren ein paar Monate in Australien verbracht habe. Deshalb habe ich auch gleich zugeschlagen, als ich dieses Buch in der Bücherei sah. Renk erzählt darin von der Hamburgerin Emilia, die im 19. Jahrhundert gegen den Wunsch ihrer Familie einen Kapitän heiratet und mit ihm um die Welt reist, bevor die beiden sich in Sydney niederlassen. Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit und ich hatte gehofft, über diese Erzähung ein bisschen etwas über Australien und das Leben dort zur damaligen Zeit zu erfahren. Leider wurde ich schwer enttäuscht.

Von Anfang an hatte ich Mühe, mich in die Geschichte einzufinden. Seitenlang werden Geschehnisse bis ins Detail beschrieben, die auch in wenigen Sätzen hätten abgehandelt werden können und die ich noch dazu ziemlich irrelevant fand. Gut, um die Auswanderung Emilias nach Australien nachvollziehen zu können, muss man natürlich auch etwas über ihre Kindheit und Jugend erfahren, und die Beschreibungen des städtischen und ländlichen Lebens im Hamburg der damaligen Zeit waren auch recht interessant. Doch Seite um Seite, Kapitel um Kapitel wartete ich vergebens darauf, dass die große Reise losgehen würde. Dann endlich gehen Emilia und Carl an Bord - doch sie fahren zunächst überall hin, nur nicht nach Australien.

Tatsächlich fällt das Wort 'Australien' erst nach über der Hälfte des Buches, die eigentliche Auswanderung beginnt sogar erst im letzten Drittel des Romans. In Sydney angekommen schien es mir, als würden die Ausführungen immer knapper, fast so, als hätte die Autorin keine Lust mehr gehabt. Ganze Jahre werden übersprungen, es heißt nur "Tocher XY kam auf die Welt, zwei Jahre später folgte Tochter YZ", und kurz vor Ende wechselt sogar die Protagonistin und Renk nimmt von nun an die Töchter von Emilia in den Blickpunkt. Über Australien selbst erfährt man so gut wie nichts, nur Sydney wird ein klein wenig beschrieben und bei Ausflügen in die Umgebung fallen ein oder zwei weitere Ortsnamen.

Ein besserer Titel für diesen ersten Band einer Reihe wäre vielleicht "Die Frau des Kapitäns" oder etwas in der Art gewesen, denn diese Thematik ist es eigentlich, die den Roman dominiert. Hier hat Renk meiner Meinung nach auch gute Arbeit geleistet, denn die Beschreibungen der Abläufe an Bord und auch die Schwierigkeiten, mit denen sich Kapitänsfrauen (von denen es wohl mehr gab, als ich gedacht hatte) herumschlagen mussten, erschienen mir gut recherchiert. Dennoch hatte ich ständig das Gefühl, Renk hätte zu sehr romantisiert, denn Emilia ist immer sofort der Liebling der Crew und wo sie an Bord geht herrscht plötzlich reinste Harmonie, was mir ziemlich gegen den Strich ging.

Die Australierin ist kein schlechtes Buch, ich habe aber etwas anderes erwartet und war dementsprechend enttäuscht. Vielleicht rücken die Folgebände den fünften Kontinent etwas mehr in den Mittelpunkt, doch ich glaube nicht, dass ich diese lesen werde. Im zweiten Teil Die australischen Schwestern geht es um Wilhelmine, eine Tochter Emilias, deren Schicksal schon im ersten Band angerissen wurde und in diesem Buch wohl nur vertieft wird, und im drittel Teil Das Versprechen der australischen Schwestern wird die Geschichte der Folgegeneration erzählt. Hier fällt der Blick auch wieder auf Deutschland. Insgesamt umfasst die Trilogie fast ein Jahrhundert.

Für Freunde von historischen Romanen mit leicht kitschigem Unterton ist das Buch sicherlich kein totaler Fehlgriff. Wer von Australien und dem Leben dort lesen will, sollte zu anderen Roman greifen. Ich vergebe 2 von 5 Wolken.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Danke für deinen Kommentar! Schau doch bald wieder rein, dann habe ich geantwortet :)